Pergament

07.02.2016 08:00:00

Dein erster Blick auf diese Erde,
der erste Laut: ein Angstgeschrei.
Ein Menschkind, das dich Worte lehrte.

Worte, die nun schwer wie Blei
Mit jeder Mundbewegung neu
Gleich einer ew‘gen Litanei

Auf deine reine Haut gedruckt,
indes nicht bloß als Nebenprodukt.

Die Scham, sie wächst, denn
Ein Fluch war dir zuvor entwischt.
Lässt dich nicht fragen „Was wäre, wenn

ich nicht-“, nein, der nicht verlischt,
auf deinem Handrücken nun prangt,
Vergebene Mühe, nie mehr ausgewischt.

Dagegen samt‘ne Worte zieren allenfalls
Beim nächsten Disput wie ein Schmuckstück deinen Hals?

Ja, schaust du dich im Spiegel an,
erblickst, wie deine Haut nun kann reden
vom Leben, sie liest sich wie ein Roman.

Was wäre, wenn ein jedes Wort, das du gesprochen
Prompt schwarz in deine Haut gestochen
Erscheint?

„Die Zunge aber kann kein Mensch bezwingen, das unbändige Übel voll tödlichen Giftes! Mit ihr loben wir Gott, den…

von ruditissen

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Was hat Jerusalem mit Hameln zu tun?

31.01.2016 06:00:57

Eine der bekanntesten deutschen Sagen ist die Geschichte vom Rattenfänger von Hameln, die bereits in die Märchensammlung der Gebrüder Grimm aufgenommen wurde. In der Geschichte geht es um einen bunt gekleideten Rattenfänger, der die Stadt Hameln im Jahre 1284 gegen einen gewissen Lohn von Ratten befreien sollte. Durch das Pfeifen einer Melodie auf seiner Flöte war der Rattenfänger tatsächlich in der Lage die Ratten aus Hameln zu führen und anschließend in der nahen Weser zu ertränken. Die Bürger der Stadt verweigerten ihm jedoch später die Bezahlung. So kehrte der Rattenfänger in Gestalt eines Jägers zurück, führte die Kinder der Stadt durch sein Flötenspiel nach Osten aus der Stadt heraus und brachte sie in einen Berg östlich der Stadt hinein.

Viel später, im 19. Jahrhundert, deuteten die Gebrüder Grimm die Geschichte als eine Sage, die erklären sollte, wie Bürger die Stadt verließen, …

von ruditissen

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Das Leben als Fremdling in dieser Welt – Predigt zu 1. Mose 20 + 23

17.01.2016 08:00:59

Wer neu in ein Unternehmen eintritt wird oft zu Beginn in den „Code of Conduct“, die Verhaltensregeln, eingeweiht. Es wird ihm aufgezeigt, wie er Telefonate entgegen zu nehmen hat, eine Mail signieren kann und nach welchen Vorgaben er einen Geschäftsbrief abfassen soll. Ich arbeite im Gesundheitswesen. Hier kommen zu den allgemeinen Regeln zusätzliche Bestimmungen im Patientenkontakt hinzu, wie das Tragen einer Uniform, Auflagen zum Schuhwerk, Schmuck und Haar. Viel wichtiger, so höre ich immer wieder, sei jedoch die Haltung gegenüber unseren Patienten. Ein Lächeln wirke Wunder. Als Christen tragen wir keine Uniformen. Wir haben auch keinen abschließenden Verhaltenskodex vorliegen. Aber die Bibel enthält zahlreiche Aufforderungen und Hinweise zu unserer Lebensführung. Zudem wissen wir, dass unsere Taten der Gesinnung unseres Herzens entspringen.

Die zwei Seiten von Abrahams öffentlichem…

von ruditissen

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Das Reich Gottes

10.01.2016 08:00:14

„Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes.“ Wenn es um Aufgaben in der Gemeinde geht, wird gerne dieser Bibelvers zitiert. Reich Gottes? Worum geht es da? Ist die Gemeinde das Reich Gottes? Oder doch erst der Himmel? Wie sieht das Reich Gottes aus, wann fängt es an und vor allem wo? Immer wieder höre ich die Formulierung, „wir bauen das Reich Gottes“ – ist das möglich, wie entsteht das Reich Gottes überhaupt? Und richtig, es gibt ja noch den Befehl von Jesus, dass wir in das Reich Gottes, durch die enge Pforte, eingehen sollen (Mt 7,13-14). Wir wollen uns also mit der Frage beschäftigen, was Jesus meint, wenn er vom Reich Gottes, oder vom Himmelreich (beides ist dasselbe) redet.

Reich Gottes – was ist das eigentlich?

Reich Gottes meint die Königsherrschaft Gottes. Wir können sagen, dass das Reich Gottes grundsätzlich dort ist, wo Gott als König regiert und sein Wille geschieht (Mt 6,10). H…

von ruditissen

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Das Wort Gottes: eine kurze Charakterisierung

03.01.2016 08:00:15

Einige werden sich beim Lesen mit Sicherheit über den Titel dieses kurzen Artikels wundern. Warum muss Gottes Wort denn charakterisiert werden? Ein möglicher Grund für diese Charakterisierung ist meine Annahme, dass jeder Mensch dies ohnehin schon unbewusst tut. Ein weiterer Grund ist meine Überzeugung, dass wir verstehen sollten was das Wort Gottes ist, bevor wir erörtern können, was es eigentlich sagt.

Ein Beispiel soll helfen, zu verstehen, was ich meine. In der vergangenen Woche hörte ich ein Gemeindemitglied unserer Gemeinde über die Bibel als „Gottes Liebesbrief an uns“ sprechen. Beim Nachdenken darüber wurde mir klar, dass eine solche Aussage alle Annahmen dieser Person über die Bibel auf den Punkt bringt. Es war eine wörtliche Formulierung ihrer Charakterisierung der Schrift: ein Liebesbrief von Gott an uns. Nun ist es so, dass wir einen Liebesbrief anders lesen als ein Märchenb…

von ruditissen

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Wo ist die Liebe hin? Ich muss mich den Black Eyed Peas anschließen, wenn sie sich diese Frage stellen. Wo ist die Liebe, wenn ich böse werde, weil die Person vor mir nicht so schnell geht, wie ich es gerne hätte? Wo ist die Liebe, wenn dein Bruder dein…

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