„Auch wenn ich durch das dunkle Tal des Todes gehe, fürchte ich mich nicht, denn du bist an meiner Seite. Dein Stecken und Stab schützen und trösten mich.“ – Psalm 23,4
Seit über 20 Jahren bin ich jetzt mit Jesus unterwegs. Irgendwie dachte ich immer, dass ich lerne, das Leben irgendwie zu meistern, dass alles einfacher wird. Man reift schließlich, wächst und entwickelt sich weiter.
Doch immer wieder kommen auf meiner Wegstrecke diese Täler. Der Weg führt in die Dunkelheit, ich sehe nicht klar, wie er verläuft. Ich fühle mich plötzlich wie ein Kind, das Angst im Dunkeln hat. Ich schaue mich um, und habe das Gefühl, alleine zu sein.
Was tue ich, wenn ich in meinem Leben dunkle Phasen erlebe (und mich gerade nicht mit einer Serie, einer Aktivität oder sonst etwas ablenken will oder kann)? Was hilft mir und was trägt mich? Hier kommt eine Auswahl meiner persönlichen Erfahrungen. Die Reihenfolge bestimmt nicht die Wertigkeit, und es handelt sich um kein Rezept, dass immer genauso bei jedem funktionieren muss (deshalb die „Ich-Botschaften“).
1. Ich rufe mir Gottes Zusagen in Erinnerung. Seien es Bibelverse, die ich im Kopf habe, sei es, dass ich die Bibel aufschlage und gezielt danach suche, seien es Lieder, die ich als Ohrwurm in mir abspielen lasse.
2. Ich erzählte Jesus von meiner Dunkelheit. Ich sage ihm, dass ich das Gefühl habe, alleine zu sein und dass ich nicht sehe oder spüre, dass er bei mir ist. Meiner Erfahrung nach hält er das aus und verurteilt mich nicht. Ich erzähle Jesus, dass ich mir wünschte, dass ich ihn sehen, hören und anfassen könnte. Oder dass ein Mensch bei mir wäre, der mich tröstet, in den Arm nimmt, für mich betet…
3. Ich behalte meine geistlichen Gewohnheiten bei, soweit möglich: Ich lese täglich die Bibel, bete für mich und andere, ich gehe in den Gottesdienst und meine Hauskirche. Das richtet mich auf das aus, worauf es ankommt. Ich bleibe dadurch offen für Kanäle, durch die Gott zu mir reden kann, wenn er will.
4. Ich öffne mich Menschen, denen ich vertraue: Meinem Pastor, Freunden, meiner Minigruppe und anderen. Sie dürfen und sollen wissen, dass es mir schlecht geht. Das hilft ihnen, zu erkennen, wenn ich mich zurückziehe oder nicht so belastbar bin wie sonst.
5. Ich führe im Rahmen meiner Möglichkeiten und Kräfte meine Dienste in der Gemeinde weiter. Wo es nicht geht, spreche ich Leute an, die mich unterstützen oder vertreten. Wo es möglich ist, mache ich aber weiter wie sonst. Warum? Oft erlebe ich, dass Gott gerade dann meine Lobpreisleitung segnet, wenn ich mich am schwächsten fühle und mir jede Zuversicht fehlt. Schon ein paarmal sagten mir Freunde, dass gerade die Tatsache, dass es mir nicht gut geht, den Lobpreis für sie umso stärker und bedeutungsschwerer mache. Das motiviert mich, weiterzumachen.
6. Ich prüfe, ob es Sünde in meinem Leben gibt, die es dem Heiligen Geist in mir schwer macht, mich zu verändern oder zu gebrauchen. Gott verlässt mich nicht, wenn ich an ihm schuldig werde. Aber die Dunkelheit in mir KANN (muss nicht!) ein Indiz dafür sein, dass ich auf Abwegen bin. Ich bitte Jesus, mich auf guten Wegen zu führen und mir die Augen zu öffnen. Wenn Sünde da ist, bekenne ich diese einem vertrauten Menschen.
7. Ich erlaube mir zu trauern.
8. Ich versuche, nicht jedem gedanklichen Impuls zu folgen, der sich mir aufdrängt. Da können Gedanken der Selbstverurteilung sein, da kann das Bedürfnis sein, sich einfach zurückzuziehen und keinen anderen Menschen an sich ranzulassen und andere Gedanken. Stattdessen versuche ich, mich an Gottes Zusagen zu erinnern und in Kontakt mit Menschen zu bleiben.
Mir ist bewusst, dass jeder der Punkte mit „Ich“ anfängt. Das hat den Grund, dass das meine persönlichen Erfahrungen sind. Es geht nicht darum, dass ich schwierige Phasen so mit links meistere, und andere es mir einfach nachmachen müssen. All diese Punkte garantieren keineswegs, dass dunkle Zeiten schnell vorbei sind, oder dass es mir auch besser geht, wenn ich mich nur an diese „Regeln“ halte. Für mich stellen sie sicher, dass ich bei Jesus bleibe und Halt dort suche, wo ich auch welchen erwarten kann, ob er nun spürbar wird oder nicht.
Ich lade jeden ein, der wie ich auf einer schweren Wegstrecke unterwegs ist, Jesus bewusst mitzunehmen. Er hat versprochen, bei uns zu sein und uns nicht aufzugeben. Bleib in Kontakt mit deiner Gemeinde. Du musst nicht jedem davon erzählen, aber such dir ein paar Leute, denen du vertraust, die dich begleiten, für dich da sind, nachfragen, für dich beten und dich segnen.
Wenn du an Depressionen leidest, scheue dich auch nicht, einen Arzt aufzusuchen! Gesprächstherapien oder Medikamente können helfen. Das heißt nicht, dass du dein Vertrauen nicht ausreichend auf Jesus setzt, weil Depressionen eine Krankheit sind, die viele Ursachen haben können, und bei der nicht ausgebildete Menschen keine wirkliche Hilfe leisten können.
Und du kannst auch jederzeit das Seelsorgeteam auf Youthweb anschreiben. An vielen Stellen können wir auch nur vermitteln, aber wir haben auf jeden Fall ein „offenes Ohr“ und sind gerne für dich da. Und möglicherweise sind wir in manchen Fällen auch Leidensgenossen.
In dem Sinne: Bleib nicht allein und sei gesegnet!
Andi (Freeze)
von
User25616