„Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis!
Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der kein Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern einen, der in allem versucht worden ist in ähnlicher Weise wie wir, doch ohne Sünde. So lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe!“
Heb 4,14-16
Was macht
den Gott der Bibel so anders, dass sich Menschen in Momenten von Begrenztheit, Schwachheit,
Gebrochenheit und Trauer an ihn wenden sollen? Was macht Jesus zu dem Gott, der
von sich behaupten kann, dass er in ALLEM mitfühlen kann? Dass es keine Schwierigkeiten
gibt, die er nicht durchlebt und keine Niedergeschlagenheit, die er nicht durchlitten
hat?
1. er lebte unter Menschen
„Gott wurde Mensch!“ In der Adventszeit habe ich sehr oft diesen Satz gehört. Er ist nicht nur richtig und wahr, sondern macht unseren Glauben als Christen essenziell aus. Das kann genauso aber zu einer frommen, alljährlichen Phrase werden. Was heißt das also konkret? Wir Christen glauben, dass der ewige, unsterbliche und vollkommene Gott Mensch wurde. Nicht in einer perfekten Welt, in der er einer unter vielen gewesen wäre; nein, in dieser Welt fiel dieser Gott-Mensch auf. Jeder kennt biblische Geschichten, die Jesu Göttlichkeit betonen. Sie ist es ja auch, die Jesus so anders als uns macht. Aber Jesus ist nicht nur im vollsten Sinn Gott, sondern auch ganz Mensch. Wie äußert sich das in den Berichten der Bibel über das was Jesus tat und immer noch tut?
und sprach in menschlichen Worten.
„Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach…“
Mt 5,2
„Hä?! Ist doch klar…?“, denkst du jetzt
vielleicht. Reden gehört ja zum Menschsein, macht es sogar grundlegend aus.
Tieren fehlt diese Fähigkeit symbolhafter Kommunikation.
Gott jedoch ist nochmals anders als wir: Er ist ungeschaffen, ewig, unbegrenzt, allwissend, … Für jede gute Eigenschaft, die wir kennen, ist er der absolute und vollkommene Maßstab. Wenn Gott mit uns Menschen spricht, wäre das normalerweise so, als ob ein spanischer Professor für altchinesische Literatur Westchinas (spezieller geht´s eigentlich nicht
) dir ein verschachteltes Gedicht aus dem 9. Jahrhundert vorläse und dir anschließend voller Begeisterung in einer Eskimo-Sprache noch einen Fachvortrag darüber hielte… unverständlich, fremd, überfordernd. Dass dieser Gott in Worten sprach und durch die Bibel immer noch spricht, die verständlich und klar sind, ist eines der größten Wunder überhaupt. Dass wir begrenzten Wesen die Worte dieses unbegrenzten Gottes erfassen können – fast schon unglaublich! Wir neigen dazu, diese fantastische Wahrheit zu vergessen, weil wir zu oft nicht klar sehen, wer Gott ist und wer wir Menschen vor ihm sind.
und hatte Freunde.
„Einer seiner Jünger aber, den Jesus liebte, hatte bei Tisch seinen Platz an der Seite Jesu.“
Joh 13,23
„Darf“ ein
Erlöser das? Besonders enge Freunde haben? Müsste Jesus nicht alle seine Jünger
gleichermaßen lieben? Offensichtlich war die persönliche Bindung Jesu zum
„Lieblingsjünger“ Johannes besonders eng. Mit ihm scheint Jesus so eine Art
beste Freundschaft verbunden zu haben. Johannes gehört zu denjenigen, die Jesus
in den Garten Gethsemane begleiten sollten. Einen Anlass von Seiten Johannes´ für
diese Liebe nennt uns die Bibel nicht, doch in Joh 15,12-17 bezeichnet Jesus alle
seine Jünger als seine Freunde. Er verlangt von ihnen, dass auch sie einander
lieben. Das zeigt uns: Ein Freund Jesu zu sein ist kein Verdienst, weil wir zu
Jesu Sportverein, Peer-Group, Klasse oder Lerngruppe gehören. Er sucht sich
seine Freunde nicht unter Leuten, die im eigentlichen Sinn zu ihm passen. Jesus
macht uns, Sünder, zu seinen Freunden. Wir sind ganz anders als er, aber er will
uns für sein Reich in Dienst nehmen. Wirkt sich Jesu Freundschaft zu uns auf unsere
Freundschaften aus? Dass dieser vollkommene Mensch ein „Freund der Sünder“ (Lk
7,34) wurde? Jesu Freundschaft ist er nicht in erster Linie von seinem Gegenüber
abhängig, sondern von seinem Entschluss, ein Freund der Sünder zu sein. Als
Christen haben wir das wunderbare Vorrecht, Freunde Jesu sein zu dürfen und in
eine „Familie seiner Freunde“, die Gemeinde, gerufen zu sein.
2. er begrenzte sich selbst.
„Und es geschah, als er in dessen Haus zu Tisch saß, dass auch viele Zöllner und Sünder sich mit Jesus und seinen Jüngern zu Tisch setzten, denn es waren viele, die ihm nachfolgten.“
Mk 2,15
„Und er war hinten auf dem Schiff und schlief auf einem Kissen.“
Mk 4,38
Oft betonen
wir Christen bei solchen Szenen lediglich, dass Jesus Gemeinschaft mit Sündern
gesucht hat (was natürlich die Hauptaussage dieser Abschnitte ist). Wenn Jesus
am Tisch mit Sündern saß, dann tat er nicht nur so, als ob er Hunger hätte. Diese
Bedürfnisse waren real. Aber dass unser Gott sich so weit gedemütigt hat, nicht
nur bei den Geschöpfen zu leben, sondern sogar ihre Bedürfnisse zu kennen und auch
unter ihnen zu leiden, übersteigt schon fast unseren kleinen Verstand. Jesu Verzicht
um unseretwillen übersteigt selbst in so unscheinbaren Dingen alles, was wir
uns vorstellen könnten.
In der Wüste
versuchte Satan Jesus (Mt 4,1-4). An genau dieser Stelle war Israel 1400 Jahre
vorher gescheitert. Gottes Volk wollte nicht verzichten und leiden. In der Folge
versündigte es sich gegen seinen treuen Gott, indem es ihn als den Geber des
Segens vergaß. Doch Jesus blieb seinem Vater in dieser Versuchung treu.
3. er ist der Mensch, wie Gott ihn sich wünscht.
Paulus
bezeichnet Jesus als „zweiten Adam“
(1Kor 15,45-49), sozusagen als den Stellvertreter
der Menschheit. Adam war derjenige, durch den Gottes Menschheit ihren
Ungehorsam gegen ihren Schöpfer zum Ausdruck brachte.
Doch in
Jesus schafft sich Gott eine neue Menschheit. Das geschieht nicht, indem er die
alte einfach auslöscht, sondern aus der alten Menschheit erlöst er sich Menschen
und ruft sie in seine Nachfolge. Jesus ist der Mensch, der zwischen Gott und Seinem
Volk vermittelt (1Tim 2,5). Das drückt sich in seiner Haltung und seinem
Verhalten uns gegenüber aus:
Er hat Mitleid mit uns
„Als er aber die Volksmenge sah, empfand er Mitleid mit ihnen, weil sie ermattet und vernachlässigt waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.“
Mt 9,36
Jesu Mitleid
geht über normale, menschliche Empathie hinaus: Er sah eine Menschheit, die ohne
Gott lebte, die in ihrem Widerstand auch noch glücklich war. Er ist kein
hoffnungsloser Idealist, denn er kennt uns Menschen nur zu gut. Im Anschluss an
die zitierte Bibelstelle schickt er seine Jünger in die umliegenden Dörfer und
Städte aus, um den Menschen von Gottes Reich zu predigen. Jesus belässt es
nicht bei einem verzweifelten Jammern über die Missstände und die Sünde der Welt,
sondern er wurde selbst aktiv. Sein Mitleid mit den tiefergehenden Problemen
der Menschen trieb ihn sogar an, das zu tun, was nur er konnte: Sie mit seinem
Vater versöhnen.
Er erlitt selbst das größte Leid
Als Jesus am
Kreuz von Golgatha hing und starb, tat er etwas sprichwörtlich
„Übermenschliches“: Er gab sein Leben für Menschen, die ihn offen ablehnten und
hassten. Er war der Mensch, der Gottes Zorn besänftigen und Seiner
Gerechtigkeit genügen konnte. Jedes Leid, das wir erleben, das uns unvermittelt
trifft, findet seinen Maßstab und Bezugspunkt auf Golgatha. Der Gott-Mensch,
der dort wie ein Verbrecher leidet und stirbt, tut das für sein Volk, seine
Gemeinde, damit diese wie er Gottes Kinder werden dürfen.
Gottes
Gericht über Sünde ist echt. Das Gericht, das Jesus trug, war echt. In seinen
letzten Stunden zuvor war Jesus versucht, seinem Vater nicht gehorsam zu sein. Nicht
den schweren Weg an das Kreuz zu gehen, dem Spott der Menschen nachzugeben und
vom Kreuz „herabzusteigen“; all das tat Jesus nicht. Nur so konnte er zum Mittler
für seine Gemeinde werden und vor seinem Vater für sie eintreten:
Er betet für uns
„Er kann auch für immer selig machen, die durch ihn zu Gott kommen; denn er lebt für immer und bittet für sie.“
nach Heb 7,25 (Luth2017)
Jesus lässt
seine Gemeinde niemals allein. Nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt ist er
nicht einfach im Himmel verschwunden und ruht sich aus. Nein, er betet für
seine Gemeinde, steht vor seinem Vater, zeigt auf jeden Christen und sagt: „Vater, dieser Mensch gehört mir! Er gehört
zu meiner Gemeinde, niemand kann und darf ihn mir wegnehmen! Dein Gericht gegen
ihn habe ich getragen! Die Liebe, die
du zu mir hast, gilt auch ihm.“
Wir als Christen können beten, weil unser Erlöser
selbst für uns bittet. Er weiß, was es bedeutet, ein Mensch zu sein, für Freude
danken zu dürfen, unter Sünde zu leiden und auf Gottes Eingreifen und Hilfe zu
hoffen.
Der Beitrag Jesus fühlt mit dir, denn… erschien zuerst auf Josia.