Bist du ein guter Zuhörer? Der Heilige
Geist sagt:
„Wer Antwort gibt, bevor er zuhört, dem ist es Dummheit und
Schande.“ (Spr 18,13)
Damit meint er: Es ist reine Dummheit
– und eine Schande – wenn wir reden, reden, reden, ohne richtig zuzuhören!
Warum ist es Dummheit, wenn ich kein guter Zuhörer bin?
„Wer Antwort gibt, bevor er zuhört, dem ist es Dummheit und Schande.“ (Spr 18,13)
Im Buch der Sprüche ist es das Zuhören,
das uns weise macht. Durch die Ohren kommt die Wahrheit ins Herz und macht es
weise. Sind die Ohren verschlossen, bleibt das Herz, in der Bibel der Sitz
unseres Denkens und der Entscheidungen, dumm. Deshalb heißt es:
„Die Weisen lauschen mit offenem Ohr, um etwas dazuzulernen.“ (Spr 18,15)
Wer seinen Mitmenschen zuhört, lernt
sie zu verstehen. Weißt du wie viel du davon hättest, wenn du deine Mitmenschen
richtig verstehen würdest? Deine Beziehungen wären so viel tiefer und
harmonischer. Du würdest nämlich wirklich wissen, was in deinen Leuten vorgeht
und würdest sie weniger oft missverstehen. Missverständnisse gebären wiederum Missverständnisse.
Aber aufmerksames Zuhören schafft schlussendlich Verständnis. Deine Ohren sind
eine Gabe Gottes für deine Beziehungen. Sie nicht zu nutzen, das – sagt Sprüche
18,13 – ist dumm.
Warum ist es Schande, wenn ich kein guter Zuhörer bin?
„Wer Antwort gibt, bevor er zuhört, dem ist es Schande.“ (Spr 18,13)
Es ist wie, wenn der Lehrer gesagt hat
„[Name des Schülers], kannst du
wiederholen, was ich gerade gesagt habe?“ Natürlich war der Schüler am
Quatschen, nicht am Zuhören. Und die ganze Klasse weiß es. Das Gefühl, das so
einen Schüler dann durchströmt (wenn er nicht völlig verkommen ist), nennt
unser Vers „Schande“. Der Lehrer hat
ihn erfolgreich vor den anderen bloßgestellt.
Der schlechte Zuhörer lässt den
anderen gar nicht erst ausreden. Denn er weiß ja schon alles, sowohl die Frage als
auch die Antwort. Solche Leute – jeder kennt sie, keiner schätzt sie – sie
blamieren sich dauernd, ohne es zu merken. Was ist, wenn ich so bin? Wer hilft
mir hören lernen? Wo muss man beginnen?
Hören fängt im Herzen an
Hören ist zugleich Wurzel und Frucht
der Weisheit: „Der Weise möge hören und
an Weisheit wachsen.“ (Spr 1,5).
Gute Ohren machen weise und Weisheit
hat gute Ohren. Durch Zuhören kommt Weisheit ins Herz, vom Herzen werden die
Ohren noch weiter aufgesperrt. Also will ich deine verbleibende Lesegeduld
nutzen, um dich zu deinem Herzen zu führen.
Was spielt sich darin ab? Verrät dir
dein Herz die ehrlichen Antworten auf folgende, beispielhafte Fragen?
- Wie wichtig ist es mir wirklich, was in anderen vorgeht? Wie viel
ehrliches Interesse ist wirklich da?
- Gebe ich mir irgendwelche Mühe zu zeigen, dass ich mich wirklich
interessiere (Gestik, Mimik, Körpersprache)?
- Bin ich wirklich anwesend, wenn meine Lehrer, Eltern, Geschwister,
Freunde, mein Partner mit mir reden?
- Gebe ich den Leuten einen Vertrauensvorschuss? Oder weiß ich
sowieso schon, was sie denken, was sie sagen werden, wie sie es meinen?
- Darf man bei mir alles sagen? Oder weiß man eigentlich über mich,
dass ich bei bestimmten Themen negativ/abweisend reagiere?
- Will ich mir Zeit nehmen, um mitzufühlen oder will ich nur schnell
das Problem des anderen für ihn lösen?
Wenn ich mir diese Fragen stelle ist
das Ergebnis bitter:
Mir ist wichtig, was in mir
vorgeht, ich will wissen, ob sich der andere für mich interessiert, ich
finde das, was der andere sagt oft nicht so wichtig, wie das, was ich sagen oder noch erledigen will. Viel
zu oft halte ich wenig von der Meinung und von den Äußerungen anderer und viel
von meinen eigenen Gedanken. Ich interpretiere, was andere sagen, selten
wohlwollend. Ich hänge mich sogar an bestimmten Phrasen unnötig auf.
Ich höre ungern zu, weil ich stolz bin.
In meinem Herzen regiert oft der Stolz. Das führt dazu, dass in meinem
Ohr ein Stöpsel steckt.
Was mein Herz braucht, damit meine
Ohren aufgetan werden, ist das Evangelium: Gott der Sohn war für mich, den
Stolzen, demütig. Er ist für mich
gestorben, um mich zu erniedrigen, also, um zu bewirken, dass ich wenig von mir
und viel von Ihm halte: Ich bin so stolz, dass er für mich sterben musste. Dass
er das für mich getan hat, was für eine Demut!
„Er, der in Gestalt Gottes war, hielt nicht daran fest, Gott
gleich zu sein, sondern machte sich zu nichts und nahm Knechtsgestalt an, indem
er den Menschen gleich geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch
befunden. Er erniedrigte sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum
Tod am Kreuz.“ (Phil 2,6-8)
Das hat er für mich getan. Das war für mich nötig. Nur seine Demut macht uns wirklich und dauerhaft demütig. Und jemand, der demütig ist, hört zu.
Ich bin nicht besser als die anderen. Und das, was ich zu sagen habe, ist nicht wichtiger als das, was sie mir sagen wollen. Im Gegenteil: Wenn Jesus sich so für mich erniedrigt hat, dann will ich die anderen gerne über mich erhöhen, indem ich ihnen erst einmal aufrichtig und genau zuhöre. Mit einem demütigen Herzen und einem offenen Ohr. Der gute Zuhörer – was ist sein Geheimnis? Er achtet den anderen höher als sich selbst. Er sieht nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem anderen dient.
Er ist wie Jesus gesinnt. (Phil 2,3-5)
Der Beitrag Der gute Zuhörer erschien zuerst auf Josia.