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Ein Fotograf bringt Licht ins Dunkel

erstellt am 11.03.2026 00:00:00

Fotografieren Sie gerne? Mit einer Kamera oder mit dem Smartphone kann man Momente für immer festhalten. Fotos bilden die Realität ab – wir sehen das, was wirklich da ist.

Dietmar Rolle, Copyright: Helge Eisenberg
Dietmar Roller ist Fotograf und leitete als Menschenrechtsexperte zwölf Jahre IJM Deutschland. (Copyright: Helge Eisenberg)

Für den Menschenrechtsexperten Dietmar Roller ist Fotografieren „Malen mit Licht“. Er war langjähriger Vorstandsvorsitzender der International Justice Mission (IJM) in Deutschland. Außerdem ist Roller seit mehr als 30 Jahren mit seiner Kamera auf der ganzen Welt unterwegs und bringt Licht ins Dunkel.

Egal ob in Ghana, Äthiopien oder Bangladesch: Dietmar Roller kennt die Orte moderner Ausbeutung, Armut und Sklaverei. Bei seiner Arbeit ist ihm wichtig: 

„Ich fotografiere nicht, um Elend zu zeigen, sondern um Wahrheit sichtbarer zu machen.“ 

Zurzeit stellt er seine Fotos in der Leica Galerie Wetzlar aus. Ich habe die Ausstellung für den ERF besucht und möchte einen kurzen Einblick in meine Eindrücke geben.

Hinter jedem Gesicht steht eine Geschichte

An einem verregneten Nachmittag betrete ich die Leica Galerie. Es ist ein großer, heller Raum mit weißem Marmorboden. Ich denke an Wohlstand, Sicherheit und Freiheit. Rollers Fotos hingegen erzählen Geschichten von Menschen, die unter unwürdigen Bedingungen leben und arbeiten müssen. Jeden Tag aufs Neue schuften sie hart und sind teilweise Lebensgefahr ausgesetzt, um sich ihr tägliches Brot zu verdienen. 

Der Name der Ausstellung „Aus allen Schatten“ ist Programm: Mit seinen Fotos zeigt Dietmar Roller eindrücklich Menschen und ihre Schicksale. Hinter jedem Gesicht, das ich auf den Bildern sehe, steckt eine eigene Geschichte. Ich bin beeindruckt, wie die Menschen trotz schwieriger Umstände ihren Alltag meistern.

Die Ausstellung von Roller ist vielfältig. Ich sehe viele Orte, viele Menschen und viel Leid. Tiefere Einblicke liefern Informationen neben den Fotos und ein Audio-Guide auf Spotify. Einige Arbeiter starren mich aus müden Augen an, doch viele schauen auch aufgeweckt in Rollers Kamera.

In unserem Gold stecken Kinderarbeit und Tränen 

Ich stehe einem jungen Mädchen gegenüber, sie schaut mich direkt an. Ihre Hände sind voller Lehm, ihre Kleidung schmutzig von der harten Arbeit. Ihr Blick ist bestimmt, nicht ängstlich. Sie steht vor einem dreckigen Wasserloch. Im Hintergrund arbeiten Männer und Frauen. In gebückter Haltung sind sie auf der Suche nach Gold in der braunen Brühe. Dietmar Roller hat sie in Äthiopien getroffen und erzählt im Audioguide:

Dieses Mädchen ist erst 12 Jahre alt. Sie ist mir aufgefallen, weil sie Schwerstarbeit verrichtet hat, indem sie den vollen Eimer hin und her getragen hat. Interessant und vor allen Dingen schlimm ist, dass es sich hier nicht um voll mit Gold angereichertes Material handelt, sondern dieses Material schon drei Waschungen hinter sich hat. Das heißt, andere haben dieses Material schon benutzt, haben Gold herausgewaschen und es wurde immer billiger weiterverkauft. 

Am Ende sind es die Ärmsten der Armen, die zum letzten Mal diesen ausgewaschenen Sand kaufen, um das letzte Quäntchen an Gold herauszuwaschen. Wir können nicht sicher sein, ob in unseren Eheringen und in unserem Schmuck nicht die Tränen und die Hoffnungslosigkeit dieses Mädchens mit drin ist. Denn das Gold wird ganz stark vermischt und man kann in den Lieferketten gar nicht sagen, woher es am Ende kommt.

Das ist schlimm, weil in vielem von diesem Gold Kinderarbeit und Ausbeutung mit drin ist, die an die Grenzen des Machbaren und Belastbaren gehen.

Arbeit im Müll: Lebensgefahr oder Überlebenschance?

Die verborgene Realität hinter Rollers Fotos ist oft erschreckend. In Ghana besuchte er eine Müllhalde. Das hört sich erstmal nicht spektakulär an, doch es gelang ihm nur durch Beziehungsarbeit, überhaupt auf das gefährliche Gelände zu kommen.

Vor einem Foto von dort bleibe ich hängen. Eine Wolke aus Feuer und Qualm kommt mir entgegen. Ein junger Mann schaut angestrengt auf seine Arbeit. Er stößt ein Knäuel aus Elektroschrott und Kabeln in die heiße Glut. Diese entzünden sich. Die Flammen lodern und Funken spritzen. Die Momentaufnahme wirkt bedrohlich. Ich kann die Gefahr, den beißenden Qualm fast schon riechen.

Im Hintergrund arbeiten gebückt weitere Männer, die mit ihren Händen in der Asche nach etwas Verwertbaren suchen. Rundherum liegt Müll, ein paar Kühe stehen Hintergrund. Dietmar Roller ist mit den Arbeitern ins Gespräch gekommen. Er berichtet im Audioguide: 

4 000 Menschen arbeiten da und sie leben von dem, was wir an Schrott produzieren. 

Jetzt könnte man sagen, die leben davon und das ist gut, aber sie leben eben nicht nur davon, sie sterben auch daran.

 Blei schmilzt, Quecksilber und Cadmium werden frei und am Ende hat man junge Männer und Frauen, die vergiftet sind und krank werden und nur, um ihr Überleben zu sichern.

Dieses eine Bild ist exemplarisch und steht für viele, viele andere. Es steht für verzweifelte Menschen, für Gesichter. Es steht aber auch für Hoffnung. Insofern, dass sie sagen: „Wir müssen unsere Kinder zur Schule schicken. Wir haben hier ein Brot und ein Überleben.“ Aber es ist ein teuer erkauftes.

Ungerechtigkeit wird sichtbar

Rollers Fotos machen auf die Schattenseiten unserer globalisierten Welt aufmerksam. Sie zeigen, dass Sklaverei kein Relikt aus der Vergangenheit ist. Laut der IJM leben heutzutage 50 Millionen Menschen in moderner Sklaverei. Weltweit werden Menschen festgehalten, ausgebeutet und missbraucht. Sie müssen für einen Hungerlohn stundenlang schuften, zum Beispiel in Bekleidungsfabriken, im Bauwesen oder der Landwirtschaft. Moderne Arbeitssklaven schrauben unsere Handys zusammen, nähen unsere T-Shirts, fertigen Spielzeug an und arbeiten in Zwangsprostitution. 

Neben der wertvollen Arbeit von Organisationen wie der IJM, die Betroffene befreien, Täter überführen und Rechtssysteme stärken, tragen auch Fotoausstellungen wie die von Dietmar Roller dazu bei, Ungerechtigkeit sichtbar zu machen. 

Obwohl seine Fotos oft Gesichter des Leids zeigen, bin ich beeindruckt von der Stärke und dem Lebenswillen, den diese Menschen ausstrahlen. 

Seine Momentaufnahmen stehen im Letzten nicht für Schwäche, sondern erzählen von Würde, Gerechtigkeit und Hoffnung auf ein besseres Leben. 

Der Besuch der Fotoausstellung hat mich persönlich sehr bewegt und mir die Augen geöffnet für moderne Sklaverei weltweit. Die Ausstellung kann noch bis zum 15. April in der Leica Galerie Wetzlar besucht werden.
 

Johanna Hörnle


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Quelle: Ein Fotograf bringt Licht ins Dunkel

von youthweb

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