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Seit Ende Februar hält die Welt den Atem an. Der neu ausgebrochene Krieg zwischen Israel, den USA und dem Iran beherrscht die Nachrichten. Einige Menschen erhoffen sich durch den Angriff auf das Mullah-Regime eine politische Veränderung im Iran. Andere müssen in Bunker fliehen, so etwa die Menschen in Israel.
Benjamin Funk, Korrespondent für Fokus Israel (Copyright ERF).
Zu ihnen zählt Benjamin Funk mit seiner Familie. Er lebt im Norden Israels in der Nähe vom See Genezareth und ist unter anderem Korrespondent für Fokus Jerusalem. Er berichtet von der Lage vor Ort und davon, was ihm persönlich Zuversicht gibt.
ERF: Was bedeutet der Angriff auf den Iran für die Menschen in Israel?
Benjamin Funk: Konkret bedeutet das wirklich ein Leben im Ausnahmezustand und das über Wochen. Die Raketen, die aus dem Iran auf Israel abgeschossen werden, zielen nicht nur auf militärische oder andere offizielle Ziele ab, sondern sollen bewusst auch Angst streuen und Menschen in Panik versetzen.
Es wird in diesem Fall auch Cluster-Munition eingesetzt, die weiträumig streut. Diese Arten von Raketen sind massiv. Wir haben es am Sonntag in Jerusalem erlebt, wo durch einen Einschlag bis zu 20 Menschen ums Leben gekommen sind – trotz Bunker. Da kann man sich vorstellen, welche Dimension diese Raketen haben.
Das heißt für uns immer über Wochen ein Leben im Daueralarmzustand. Wenn die Raketen aus dem Iran kommen, haben wir eine Vorlaufzeit von ungefähr acht Minuten. Am Sonntag waren es auch mal nur drei, bis wir im Bunker sein mussten. Und in anderen Fällen – bei Angriffen der Hisbollah etwa – haben wir hier bei uns im Norden in der Regel nur 30 Sekunden, um irgendwie Schutz zu suchen.
Lieber einmal durchs Feuer gehen als ständige Bedrohung erleben
ERF: Wir haben Bilder aus dem Iran gesehen, auf denen sich Menschen freuen. Sie hoffen, jetzt kommt endlich eine Veränderung. Wie sehen denn die Menschen in Israel den Angriff auf den Iran?
Benjamin Funk: Während der Angriff im Ausland in vielen Bereichen abgelehnt wird, herrscht hier trotzdem Zustimmung. Viele, mit denen ich auch schon vor dem Angriff gesprochen habe, befürworten den Angriff.
Um das zu verstehen, muss man in die Vergangenheit zurückschauen. Das Regime im Iran herrscht seit 47 Jahren und seit 47 Jahren rufen sie die Doktrin aus: „Wir zerstören Israel. Wir möchten Israel vernichten. Wir möchten die Juden vernichten.“ Darauf haben sie auch hingearbeitet. Das Regime, also Ajatollah Ali Chamenei, der jetzt eliminiert wurde, war der Mastermind und Architekt des 7. Oktobers.
Das Regime in Teheran ist der Hauptsponsor für islamischen Terror weltweit. Die Hisbollah, die Hamas, die Huthi und die Milizen im Irak werden mit Waffen und Geld vom iranischen Regime ausgestattet.
Die Stimmung ist hier: Wir möchten lieber einmal noch durchs Feuer gehen, um dann nicht mehr ständig in der Bedrohungssituation zu leben, dass ein Regime unseren Staat und das Volk auslöschen möchte.
Das muss man ganz klar benennen. Denn viele haben vergessen, dass der Strippenzieher hinter diesem Konflikt, den wir jetzt auch auf internationaler Ebene erleben, nicht Israel, sondern das Regime in Teheran ist.
Nicht Armeen haben die Lage in der Hand, sondern Gott
ERF: In Israel hofft man also, dass sich die Dinge durch diesen Konflikt zum Guten wenden. Was denken Sie: Wie geht es jetzt in den kommenden Wochen weiter? Sie haben selbst gesagt, das ist ein Ausnahmezustand, der sich über Wochen hinziehen kann. Auch US-Präsident Donald Trump sprach das an. Worauf hoffen Sie für diese Zeit, die jetzt kommt?
Benjamin Funk: Auf der einen Seite haben wir einen starken Glauben, dass wir die Zukunft nicht allein bestimmen müssen – und darüber bin ich froh. Wir müssen uns als Familie und Menschen in unserer Gemeinschaft nicht darauf verlassen, dass Armeen das in der Hand haben, sondern wir wissen, dass da noch jemand darüber ist.
Auf der anderen Seite hoffen wir natürlich, dass unsere Befürchtungen nicht eintreffen. Das bedeutet, dass die Intensität der Angriffe abnimmt. Wir hoffen, dass die Hisbollah, die man ja bereits 2024 im Krieg zurückgedrängt und massiv reduziert hat, nicht die Möglichkeiten hat, um großen Schaden anzurichten.
Keiner in Israel will freiwillig Krieg. Und ich ergänze: Niemand, der schon einen Krieg erlebt hat, wünscht sich das.
Aber es gibt die Hoffnung, dass es nicht so massiv ausfällt und dass die zivilen Opfer auf allen Seiten möglichst gering bleiben. Wir hoffen darauf, dass sich schnell wieder Ruhe einstellt. Man muss aber dazu sagen: Eine Ruhe, die keine Ruhe ist – etwa ein reiner Waffenstillstand – zögert Dinge nur nach hinten hinaus. Hier braucht es am besten die Kapitulation vom Regime im Iran. Dann würde sich die ganze Situation schnell anders darstellen.
„Das Einzige, was wir in unserer Angst haben, ist unser Glaube“
ERF: Sie haben von Ihrem Glauben gesprochen. Sie versuchen als Christ konkret vor Ort, Hoffnung und Trost zu spenden. Wie können Sie das konkret in der gegenwärtigen Lage tun?
Benjamin Funk: Eine der Besonderheiten im Glauben ist – und da werden wir in Europa oft nicht gefordert: In extremen Situationen spürt man die Gebete von Menschen. Man umbetet etwas und man spürt den Glauben, den Halt.
Gott ist sehr direkt spürbar, wenn die Katastrophe da ist.
Und es sind oft nicht tiefgehende Gespräche, sondern kleine Gesten, in denen wir hier im Alltag mit den Menschen Ruhe und Hoffnung ausstrahlen. Eine freundliche Geste bewirkt so viel. Aber die Ursache dieser Geste ist nicht, dass ich mich anstrenge, sondern dass etwas durch mich hindurchstrahlt.
Licht und Salz sollen wir als Christen sein und das sind wir hier. Es spendet Menschen Hoffnung, wenn sie sehen, dass zum Beispiel deutsche Christen nicht fliehen, nicht weggehen, sondern mitten durchs Feuer mit ihnen hindurchgehen. Das hat einen großen Einfluss auf die Menschen. Und wir merken, dass viele, die mit dem Glauben nicht so viel zu tun haben, die Nähe suchen und immer wieder mit uns ins Gespräch kommen.
Ich glaube, Krisen und Kriege sind nicht nur Katastrophe, sondern ganz oft auch Türöffner, den Glauben lebendig zu leben – fernab von irgendwelcher Phrasendrescherei.
Denn an uns, an unserer Familie, sieht man, was der Glaube ist. Und das ist kein Schauspiel, denn Schauspiel funktioniert nur, wenn es gut läuft. Im Konflikt, in der Zeit, die wir aktuell haben, da kommt vieles hervor. Und am besten ist es, wenn der Glaube da hervorkommt, weil man ein festes Fundament hat.
Aber auch unsere Gemeinschaften hier – die christlichen und die der messianischen Juden – brauchen Gebete. Denn wir sind ja nicht ausgenommen von dem Konflikt. Das Einzige, was wir in unserer Angst haben und was uns von anderen unterscheidet, ist unser Glaube und unser Gott. Deshalb braucht es Gebete für die Gläubigen hier, für die Menschen, die hier Nachfolger Christi sind.
ERF: Vielen Dank für das Gespräch!
Horst Kretschi / Rebecca Schneebeli
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Quelle: „Keiner will freiwillig Krieg!“