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Mein Navi schlägt mir eine neue Route vor. „Schneller als die bisherige“, sagt es. Doch ich kenne den alten Weg. Ich weiß, wo ich abbiegen muss. Ich weiß, was mich erwartet. Der neue Weg mag besser sein, aber ich müsste mich auf fremde Wege einlassen – ohne zu wissen, wie es weitergeht. Vielleicht mag ich Neues doch weniger, als ich dachte.
Ich sehne mich nach Neuem, bis es mir begegnet
Ähnlich ist es in unserer Gesellschaft. Einerseits wird Neues gehyped, ob es um ein Auto oder den neusten Kinofilm geht. Andererseits fordert uns Neues heraus. Unsere von der Aufklärung geprägte Denkweise will erklären, verstehen, kontrollieren.
Aber wenn etwas wirklich neu ist, kann ich es erstmal nicht erklären. Mein Verstand kann es nicht einordnen – und wird skeptisch.
Und da merke ich einen Widerspruch in mir selbst: Ich will Neues, aber bitte so, dass es sich vertraut anfühlt. Für meinen Kopf. Für mein Gefühl. Dabei sagt das Wort selbst schon etwas anderes. Der Duden beschreibt „neu“ unteranderem so: „bisher noch nicht bekannt gewesen.”
Gott meint wirklich NEU
Wenn man sich auf Gott einlässt, kommt man um Neues nicht rum. Als Christ bete ich sogar für Neues. Doch wenn es mir dann begegnet, merke ich: Oh, ach so – Gott meint wirklich NEU.
Das kann sich dann auch erstmal ungewohnt anfühlen. Denn Gott ist ein Experte darin, Neues zu schaffen. Er schenkt ein neues Herz, einen neuen Geist, eine neue Identität. Neue Gedanken, neue Gefühle. Und am Ende der Zeiten sogar einen neuen Himmel und eine neue Erde.
Das ist nicht wenig Neues – und es ist kein vorsichtiges Neues. Es ist radikal. Und innerlich denke ich: So neu meinte ich es auch wieder nicht.
Neues von Gott ist anders – und trotzdem gut
Wie kann ich mich auf all das Neue, Unbekannte, meine Schubladen Übersteigende einlassen? Gott weiß darum, dass mir sein Neues fremd ist. In Jeremia 33,3 sagt er dem Propheten Jeremia zu: „Rufe mich an, so will ich dir antworten und will dir kundtun große und unfassbare Dinge, von denen du nichts weißt.”
Gott verspricht hier Großes, aber er sagt auch klar: Diese Dinge werden neu sein – unbekannt, nicht sofort erklärbar. Das heißt: Mein Verstand wird sehr wahrscheinlich nicht gleich mitkommen. Es wird nicht gleich in meine gewohnten Schubladen passen. Und das ist okay. Zumindest ist es für Gott okay. Er traut mir das zu.
Gott erklärt das Neue nicht weg, auch wenn ich mir das manchmal wünschen würde. Aber – und das ist entscheidend – das Neue, das Gott schafft, ist gut. Wenige Verse später macht er klar, dass das Neue, was er schaffen will, nur gute Dinge sind: Heilung, Frieden und Vergebung (vgl. Jeremia 33,6-9). Dies sind die Bereiche, in denen Gott Neues in meinem Leben schaffen will.
Vielleicht ist es am Ende ähnlich wie mit dem Navi. Ich lasse mich führen – nicht, weil ich den Weg kenne, sondern weil ich Gott zutraue, dass er mich zu einem guten Ziel führt.
Neues umarmen lernen
Das hilft mir, anders mit Neuem umzugehen – es vielleicht sogar zu umarmen. Auch dann, wenn es sich nicht sofort vertraut anfühlt. Denn Gott sagt: Das Ergebnis wird gut sein.
Vielleicht ist für dich heute diese Frage dran: Lasse ich mich darauf ein, dass Gott auch durch Erfahrungen wirkt, die sich meiner Kontrolle entziehen? Wenn ja, kannst du ihm das so sagen: „Gott, ich bin bereit für Neues. Und wenn du mir mit Unbekanntem antwortest, will ich lernen zu sagen: Ich vertraue, dass es gut ist – auch wenn ich es noch nicht verstehe.”
Wo hast du Gott ganz neu oder anders erlebt? Erzähl uns gerne davon in den Kommentaren.
Samuel Wolff
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Quelle: Warum Neues zuerst skeptisch macht