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In Ruhe lieben

erstellt am 14.02.2026 00:00:00

Zum Valentinstag denken viele an große Gefühle und besondere Gesten. Doch Liebe lebt nicht vom Dauerfeuer der Erwartungen, sondern von Atempausen. Der folgende Text ist ein Auszug aus „Träume sind wie Segel, Erinnerungen wie Ruder“ von Tomas Sjödin – ein leiser Gedanke darüber, warum Nähe wächst, wenn man einander nicht festhält, sondern ruhen lässt.

Im Laufe der Jahre ist in mir die Überzeugung immer stärker geworden, dass die Kunst, jemanden zu lieben – und das nicht nur heute, sondern auch morgen und übermorgen –, die Kunst ist, sich nicht zu sehr aneinander zu klammern. Es ist etwas Vertracktes mit der Liebe; sobald man versucht, sie zu erzwingen, wirkt man ihrem Wesen entgegen und versperrt ihr damit den Weg. 

Im freien Fall der Liebe

Im Englischen gibt es den Ausdruck falling in love. 

Sich verlieben ist etwas ungemein Schönes, aber das Wort fall (»fallen«) zeigt, dass es auch lebensgefährlich ist.

Jemand, der liebt und diese Liebe äußert, löst in diesem Augenblick den Sicherheitsgurt seines Lebens und stürzt im freien Fall auf den geliebten Menschen zu, und das Einzige, was ihn retten kann, ist, dass seine Liebe erwidert wird. Das ist das Risiko der Liebe. Und ihre Chance.

So, wie es ist, ist es gut

Einer der schönsten Texte der Weltliteratur über die Liebe ist das fast dreitausend Jahre alte Hohelied von Salomo in der Bibel. In ihm findet sich eine unglaublich wunderbare Szene. Die beiden Liebenden sind in ihrem Liebesnest und die Braut ist im Arm des Bräutigams eingeschlafen. Sie begehren nichts voneinander, erwarten nichts weiter. So, wie es ist, hier und jetzt, ist es gut; sie sind beieinander, und das genügt. 

In dieser Liebesbegegnung der Ruhe offenbart sich ein Bild, das zeigt, wie Liebe wächst – hier formuliert mit den Worten: „Weckt nicht, stört nicht auf die Liebe, bevor es ihr 〈selber〉 gefällt!“

Ich glaube, eins der größten Geschenke, die man dem Menschen machen kann, den man liebt, ist die Ruhe. Das Recht, einen Gang zurückzuschalten und nicht überall präsent sein zu müssen, Stunden oder Tage frei von Forderungen und Ansprüchen.

Wo Druck wächst, verliert die Liebe

In einer engen Beziehung kann eine kleine, unerwartete Entlastung für den anderen auf deutlich mehr Dankbarkeit stoßen als ein großer Blumenstrauß. Stress und Druck sind Feinde der Liebe, und wenn man das Leben zu schnell werden lässt, wächst die Gefahr, dass man Unkraut in den Liebesacker sät, ohne es zu merken. Wer erwartet, dass eine Beziehung pausenlos von einem Höhepunkt zum anderen springt, wird bald die große Erschöpfung ernten. Statt sich über die Blumen am Wegrand zu freuen, trampelt man auf ihnen herum. 

Wenn uns das Leben müde gemacht hat, kann es das Richtige sein, einander anzuschauen und zu sagen: „Du und ich, wir könnten es vielleicht spannender haben im Leben, aber es ist in Ordnung, wie es ist.“ Das mag nach Resignation klingen, aber wo solch ein Ausruhen geschehen darf, kommt es nicht selten zu einer Art Schöpfungswunder: 

Die Liebe erwacht wieder zum Leben – die Liebe, die die ganze Zeit da gewesen war, aber begraben unter einem Berg der Erschöpfung.

Der Ruheort der Liebe

Ich glaube, die Ruhe ist der Rückzugsort der Liebe, aber auch ihre Kraftquelle. Wo ich unrealistische Erwartungen fahren lasse, können auf einmal viele andere Dinge wachsen. Zum Beispiel Zärtlichkeit, Kreativität und Verspieltheit. 

Lieben ist Fallen, aber es genügt nicht, dass man damals – lang ist es her – einander zu Füßen fiel, sondern wir müssen das immer wieder neu tun.

Seite an Seite weiter durch das Leben wandern, mit maßvollen Erwartungen und viel Luft zum Atmen. Im ganz normalen Alltag stressfreie Oasen schaffen und der Liebe die Chance geben zu erwachen, einfach weil es ihr selbst gefällt.

 

Tomas Sjödin


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Quelle: In Ruhe lieben

von youthweb

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