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Bis zum letzten Tag im Dienst der Kirche

erstellt am 22.04.2025 00:00:00

Seit Wochen bangten katholische Gläubige um Papst Franziskus. Nun ist das Kirchenoberhaupt am frühen Morgen des Ostermontags im Alter von 88 Jahren in Rom verstorben.

Was zeichnete sein Pontifikat aus? Was hinterlässt Franziskus dieser Welt in Zeiten des Umbruchs? Unsere Reporterin Regina König blickt im Interview zurück auf sein Leben und Wirken.
 

ERF: Wie groß ist die Trauer um Papst Franziskus in Rom?

Regina König: Der Gesundheitszustand des Papstes war ja schon seit Wochen kritisch. Zuletzt war Franziskus wegen einer Lungenentzündung im Krankenhaus behandelt worden. Trotzdem gab es immer wieder Hoffnung auf Genesung.

Über die Ostertage waren über eine Million Pilger nach Rom gekommen mit der großen Hoffnung, vom Papst selbst den traditionellen Segen „Urbi et orbi“ auf dem Petersplatz zu empfangen. Und tatsächlich: Am Ostersonntag spendete er diesen Segen noch. Umso größer ist jetzt die Trauer bei den Gläubigen.

Ein Papst, der sich für Schwache und Benachteiligte einsetzte

ERF: Seit März 2013 stand Franziskus an der Spitze der katholischen Kirche. Wie kam es dazu, dass er in dieses Amt gewählt wurde?

Regina König: Mit Papst Franziskus wurde zum ersten Mal ein Südamerikaner in dieses hohe Amt eingesetzt. Und seit mehr als 1 270 Jahren zum ersten Mal ein Nichteuropäer. Geboren wurde er 1936 in einem Vorort von Buenos Aires als Kind italienischer Einwanderer. Mit bürgerlichem Namen hieß er Jorge Mario Bergoglio. Als Papst wählte er den Namen „Franziskus“, denn sein Vorbild war Franz von Assisi.

Franziskus lernte zunächst den Beruf des Chemietechnikers und trat mit 32 Jahren dem Jesuitenorden bei. Später wurde er Erzbischof von Buenos Aires, bevor er 2001 zum Kardinal ernannt wurde. Als Erzbischof hatte sich Franziskus den Ruf erworben, für die Armen und Benachteiligten einzutreten. Er prangerte die Korruption der argentinischen Regierung und die schlechten Lebensbedingungen der Bevölkerung an.
 

ERF: Nach seinem Antritt als katholisches Kirchenoberhaupt ruhten große Hoffnungen auf ihm. Viele erwarteten, er würde frischen Wind in den Vatikan bringen. Insbesondere die Europäer hofften auf eine Reformation der Kirche durch den Argentinier. Haben sich diese Hoffnungen erfüllt?

Regina König: Franziskus war sicher einer der unkonventionellsten Päpste, die Rom je gesehen hat. Er hat im Vatikan für Unruhe gesorgt. Als Zeichen seiner Bescheidenheit lebte er zum Beispiel nicht wie üblich in den Gemächern des Apostolischen Palasts, sondern im vatikanischen Gästehaus.

Doch wenn wir von Reformen sprechen, müssen wir im Blick behalten, dass die katholische Kirche eine weltweit agierende Institution ist. So wünschen sich beispielsweise afrikanische Katholiken ganz andere Dinge als deutsche Kirchenmitglieder. Und was Spanier als Reform bezeichnen, gilt womöglich für Chilenen als Anpassung an den Zeitgeist.

Keine Kirchenreform, aber wichtige Zeichen der Verständigung

ERF: Aber was hat Papst Franziskus konkret verändert?

Regina König: Er hat weder das Zölibat abgeschafft noch die Priesterweihe für Frauen ermöglicht. Aber er ist viele kleine Schritte gegangen und machte es beispielsweise möglich, dass Frauen offiziell Messdienerinnen werden und Ordensschwestern hohe Kirchenämter übernehmen können. Auch Laien erhalten durch ihn mehr Mitbestimmungsrecht. Außerdem bestimmte Franziskus, dass Priester unter bestimmten Bedingungen homosexuelle Paare segnen dürfen.
 

ERF: Zusammengefasst, was bleibt nach 12 Jahren Amtszeit?

Regina König: Grundsätzlich hat sich Papst Franziskus immer wieder stark gemacht für sozial benachteiligte Menschen. So reiste er zum Beispiel nach Lampedusa und erinnerte damit an das bittere Schicksal vieler Flüchtlinge. Er kritisierte seine Kardinäle offen für ihre Hartherzigkeit und Machtgier und ermahnte die gesamte Leitung und Verwaltung der römisch-katholischen Kirche, sich am Leben Jesu zu orientieren. Das bescherte ihm nicht nur Freunde im Vatikan.

In Sachen Ökumene hat es unter seinem Pontifikat allerdings keine konkreten Fortschritte gegeben. Jedoch betonte der stellvertretende EKD-Ratsvorsitzende Landesbischof Tobias Bilz, dass Franziskus die Beziehungen zwischen Katholiken und Protestanten auf zwischenmenschlicher Ebene intensiviert habe.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass er ein Papst gewesen ist, der die Verständigung gesucht hat, der Barmherzigkeit gelebt und sich selbst nahbar gezeigt hat.

Neue Papstwahl frühestens im Mai

ERF: Wie geht es jetzt weiter nach seinem Tod?

Regina König: Die Beisetzung findet aller Voraussicht nach am Samstag statt. Sie soll auf jeden Fall weniger pompös ausgerichtet werden als das bei Päpsten sonst üblich ist. Das hat Franziskus selbst so bestimmt.

Frühestens am 6. Mai wird dann das Konklave zusammentreten. Dann werden Kardinäle aus allen Kontinenten das neue Oberhaupt der katholischen Kirche wählen. Insider mutmaßen, dass die Wahl unter Umständen auf einen eher konservativ geprägten Würdenträger fallen könnte. Aber all das wissen wir erst, wenn der weiße Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle aufsteigen wird.

ERF: Danke für den Rückblick auf das Leben und Wirken von Papst Franziskus.

Regina König


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Quelle: Bis zum letzten Tag im Dienst der Kirche

von youthweb

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