© Hasan Almasi / unsplash.com
Joel* wächst in Afghanistan in einer streng muslimischen Familie auf. Sein Vater möchte, dass er Imam wird und schickt Joel neben der Schule einige Jahre zum Koranunterricht. In seiner Jugend ist Joel stets bemüht, Gott zu gefallen und ein guter Muslim zu sein. In der 12. Klasse erzählt ihm ein Mitschüler von Jesus und schenkt ihm eine Bibel. Ein Jahr lang liest Joel immer wieder darin und ist beeindruckt, wie liebevoll Gott in der Bibel beschrieben wird. Aber er kann nicht akzeptieren, dass Jesus Gottes Sohn ist.
Vision im Gefängnis
Eines Tages wird Joel in einen Verkehrsunfall verwickelt und kommt ins Gefängnis, weil er die Strafzahlung nicht aufbringen kann. Eingesperrt zwischen Schwerverbrechern bangt er Nacht für Nacht um sein Leben. Verzweifelt bittet er Allah, ihn aus dieser Situation zu befreien.
Nach einer Woche hat er einen Traum. Er begegnet einem Mann, der von einem hellen Licht umgeben ist und zu ihm sagt: „Ich bin Jesus. Wenn du mich lässt, werde ich dir helfen. Morgen früh wirst du frei sein.“ Daraufhin sieht Joel im Traum, wie er mit weiteren Insassen in ein anderes Gefängnis gebracht werden soll. Gerade als ein Polizist ihm befiehlt, in ein Auto zu steigen, ruft ein Mann von der anderen Straßenseite: „Joel soll nicht verlegt, sondern freigelassen werden!“
Joel wacht auf und am nächsten Morgen geschieht alles genau wie in seinem Traum. Er darf nach Hause gehen! Daraufhin entscheidet er sich, Jesus nachzufolgen.
Gefährliche Nachfolge
Joel kann die neue Freude, die sein Herz erfüllt, nicht für sich behalten. Sofort beginnt er, seiner Familie von seiner Beziehung zu Jesus zu erzählen. Ein weiteres Wunder geschieht: Alle Familienmitglieder kommen zum Glauben und lassen sich taufen! Trotz seines jungen Alters gründet Joel sogar kleine Hausgemeinden.
Fast alle afghanischen Christen sind wie Joel Konvertiten. Die Abkehr vom Islam gilt als Schande und wird nach geltendem Recht mit dem Tod bestraft. Deshalb können Christen ihren Glauben nicht offen praktizieren. Manche treffen sich heimlich. Sie wechseln dabei häufig Ort und Zeit ihrer Treffen, um das Risiko, entdeckt zu werden, zu minimieren. Viele teilen jedoch mit niemandem ihren christlichen Glauben und sind aus Angst vor Verfolgung selbst anderen Christen gegenüber misstrauisch.
„Dann müssen Sie mich wohl töten!“
Kurz nach der Machtübernahme der Taliban im Jahr 2021 wird Joel wegen seiner missionarischen Arbeit verhaftet. Neun Monate lang wird er im Gefängnis brutal gefoltert, schikaniert und gedemütigt. Er muss sogar mit ansehen, wie einer seiner Glaubensbrüder vor seinen Augen erschossen wird.
Eines Tages hält ein Offizier auch Joel eine Pistole an die Stirn und befiehlt ihm, seinem christlichen Glauben abzuschwören. Dann würde er freigelassen. Joels Knie zittern. Die Pistole an seiner Stirn fühlt sich eiskalt an. Er weiß, dass es ihn das Leben kosten kann, wenn der Mann nur mit dem Finger zuckt.
Doch statt Panik überkommt ihn plötzlich ein tiefer Friede, der nicht von dieser Welt ist. Gottes Kraft hält ihn aufrecht. Ruhig und bestimmt sagt er: „Dann müssen Sie mich wohl töten.“ Der Offizier ist sprachlos. Schließlich lässt er die Waffe sinken und erklärt den Gefangenen für verrückt. Joel darf das Gefängnis verlassen.
Flucht nach Pakistan
Ein Freund bringt Joel ins Krankenhaus, wo seine zahlreichen Verletzungen behandelt werden. „Die Schläge spüre ich heute noch“, sagt er. „Vor allem in den Knien und im Rücken.“ Sobald er körperlich dazu in der Lage ist, bleibt ihm nichts anderes übrig, als zu fliehen. Doch der Weg nach Pakistan ist gefährlich. An jedem Kontrollpunkt der Taliban fürchtet er entdeckt und erneut verhaftet zu werden. Doch auch hier erfährt Joel Gottes Bewahrung und schafft es schließlich über die Grenze.
Unerschütterlicher Einsatz trotz Lebensgefahr
In einem kleinen Haus in einer pakistanischen Großstadt füllt sich ein Wohnzimmer. Im Schutz der Dunkelheit treffen nach und nach etwa zwei Dutzend afghanische Flüchtlinge ein. Dicht gedrängt sitzen sie auf Kissen auf dem Boden. Die Türen sind verschlossen, die Vorhänge zugezogen. Jeder hier weiß: Auffälliges Verhalten könnte schnell die pakistanischen Behörden auf den Plan rufen.
Einige der Anwesenden sind Gläubige, andere „Suchende“, die mit Fragen gekommen sind – und mit Angst. Doch als das erste Lobpreislied leise erklingt, weicht die Anspannung für einen Moment einer tiefen gemeinsamen Hoffnung. Joel leitet die Versammlung.
In seiner neuen Heimat hat er sich schnell mit anderen Christen vernetzt und verbreitet weiterhin das Evangelium. Dabei arbeitet er auch für unseren internationalen Medienpartner TWR. Er übersetzt und produziert Sendungen. TWR sendet diese und weitere evangelistische und glaubensstärkende Programme täglich über Mittelwelle in die Region.
Joel und einige andere TWR-Mitarbeiter reisen regelmäßig nach Afghanistan, um SD-Karten mit Radioprogrammen zu verteilen. Dabei riskieren sie immer wieder ihr Leben. Doch trotz der Gefahren will Joel weitermachen. Er sagt: „Wie Paulus im 2. Timotheusbrief schreibt, hat der Herr mir beigestanden und mir Kraft gegeben. Denn alle Völker sollen seine Botschaft hören. Dazu hat er mich aus der Höhle des Löwen errettet.“
Schenken Sie verfolgten Christen Hoffnung
Mit Ihrer Spende helfen Sie uns dabei, weiter Christen in Afghanistan und Pakistan zu ermutigen und Gottes Wort in diese verschlossene Region zu bringen.
*Name geändert
Ingrid Will
Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden
Quelle: Gerettet aus der Höhle des Löwen