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Ist Gott eigentlich nachtragend?

erstellt am 14.04.2025 00:00:00

„Du bist aber nachtragend“, bekomme ich zu hören, wenn ich drei Wochen nach einer spitzen Bemerkung noch immer gekränkt bin. Wenn ich Schulden habe, können meine Gläubiger die Forderung bis zu drei Jahre lang eintreiben, bei einem gerichtlich bestätigten Anspruch sogar 30 Jahre. Und Mord verjährt bekanntlich nie.

Aber wie ist das bei Gott? Ist er nachtragend, weil er nie etwas vergisst? Oder ist er nachsichtig, weil Jesus am Kreuz ein für alle Mal für unsere Schuld gestorben ist?

Die Bibel gibt darauf unterschiedliche Antworten. Schauen wir genauer hin.

Gott: nachtragend, genau, strafend

An mehreren Stellen wird in der Bibel erwähnt, dass Gott über unser Leben Aufzeichnungen führt und unsere guten wie schlechten Taten darin vermerkt. In Offenbarung 20,12 heißt es: „Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben steht, nach ihren Werken.“

Der Prophet Jesaja drückt es noch drastischer aus: „Siehe, der Tag des Herrn kommt, grausam, voll Grimm und glühendem Zorn, die Erde zu verwüsten und die Sünder von ihr zu vertilgen“ (Jesaja 13,9-11). Und in den Zehn Geboten hält Gott fest, dass die Vergehen einer Generation noch Auswirkungen bis in die vierte Generation nach ihr haben werden (vgl. 2. Mose 20).

Gott schreibt also unsere Schulden auf, zerstört ganze Länder und bestraft Verfehlungen über Generationen hinweg? Das nenne ich echt nachtragend!

Gott: Barmherzig, gnädig, vergebungsbereit

Doch zugleich begegnet uns in der Bibel auch ein ganz anderes Bild von Gott: „Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit“ (1. Joh 1,9 ).

Der gnädige Gott wird uns aber nicht nur im Neuen Testament präsentiert. Bereits in den Psalmen hält König David fest: „Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er wird nicht für immer hadern noch ewig zornig bleiben. Er handelt nicht mit uns nach unseren Sünden und vergilt uns nicht nach unseren Missetaten“ (Psalm 103,8-10).

Gottes Zorn hat also ein Ende – seine Gnade aber bleibt.

Mehr noch – unsere Fehler sind nicht nur vergeben, sondern buchstäblich versenkt: „Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt? […] Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen (Micha 7,18).

Das heißt: Was Gott sich einst zu meinen Verfehlungen aufgeschrieben hat, ist ausgelöscht. Ist Gott also doch nicht nachtragend? Wie passt das zusammen?

Gerechtigkeit und Gnade gehören zusammen

Vielleicht liegt die Antwort darin, dass Gott sowohl barmherzig als auch gerecht ist. Es hilft, die verschiedenen Bibelstellen in ihrem Kontext zu betrachten: Psalm 103 sagt, dass Gott nicht für immer zornig bleibt. Das bedeutet allerdings nicht, dass er nie richtet, sondern dass er geduldig ist und den Menschen viele Chancen gibt, ihr Leben zu ändern.

Jesaja 13 hingegen spricht vom Gericht über Babylon – einer Nation, die sich bewusst gegen Gott gestellt hat und keine Anstalten zur Veränderung zeigte.

Karfreitag und Ostern – ein Spannungsbogen

Gerade in der Karwoche wird dieser Spannungsbogen deutlich. An Karfreitag zeigt sich Gottes Gerechtigkeit: Jesus stirbt stellvertretend für die Schuld der Welt (vgl. Jesaja 53,5). Das macht klar: Gott nimmt unser Fehlverhalten ernst – so ernst, dass jemand dafür bezahlen muss. Entweder wir selbst oder Jesus.

An Ostersonntag aber feiern wir nicht nur die Auferstehung Jesu, sondern auch den Triumph der Gnade über die Schuld.

Wenn wir diese Vergebung für uns in Anspruch nehmen, brauchen wir keine Angst mehr zu haben, dass Gott uns am Ende noch irgendetwas vorhält. Denn Jesus hat ja bereits dafür bezahlt.

Also, ist Gott nachtragend? Ja und nein. Er vergibt gerne, bleibt aber auch gerecht.

Loslassen heißt frei werden

Und ich? Darf ich nachtragend sein? Gottes Umgang mit Schuld zeigt mir Folgendes: Wenn jemand an mir schuldig wird, darf ich zornig, traurig oder enttäuscht sein. Doch weil Gott mir vergibt, darf auch ich loslassen – sowohl meinen Groll auf andere als auch die Schuld, die ich mir selbst noch lange nachtrage. Dann beschwert mich diese Last nicht mehr. Und in dieser Freiheit kann ich mit leichterem Herzen weitergehen.

 

Theresa Folger


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Quelle: Ist Gott eigentlich nachtragend?

von youthweb

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