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Auf den Knien vor Jesus

erstellt am 31.03.2025 00:00:00

Wann bist du zuletzt auf die Knie gegangen? Ich habe mich gestern erst beim Schuhe zubinden hingekniet. Sonst sieht man mich nur beim Unkrautjäten im Gemüsebeet auf den Knien oder wenn mir irgendetwas runtergefallen ist, das ich nun versuche unter dem Schrank wieder hervorzufischen.

Wenn in Mittelalterfilmen die Menschenmenge auf die Knie geht, dann ist klar: Der König kommt! Die Ehrfurcht vor dem Amt gebot diese Geste. Sich hinzuknien kann ein rein äußeres Zeichen sein, aber es kann auch Ausdruck einer ehrlichen inneren Haltung der Ehrerbietung und Demut sein.

Eine machtvolle Geste

Ein Kniefall, der in die Geschichte eingegangen ist, geschah am 7. Dezember 1970. Der deutsche Bundeskanzler Willy Brandt ist zu Besuch in Warschau. Dies ist der erste Besuch eines deutschen Regierungschefs in Polen seit dem Zweiten Weltkrieg. Es ist ein trüber, nasser Tag. Willy Brandt legt vor dem Mahnmal zum Gedenken an den jüdischen Ghetto-Aufstand von 1943 einen Kranz nieder – und kniet sich dann auf den Boden.

Was für ein Gänsehautmoment! Ein hochrangiger Politiker macht sich klein. Willy Brandt drückt mit der Geste seine tiefe Betroffenheit aus und bittet stellvertretend für sein Land ganz sichtbar um Vergebung für die Verbrechen der Deutschen im Zweiten Weltkrieg.

Das Foto vom Kniefall in Warschau geht um die Welt. Die Geste ist so machtvoll, dass sie zum Symbol für die Versöhnung der beiden Staaten wird. Sie symbolisiert ehrliche Demut und zeugt gleichsam von unglaublicher Größe.

Der König kommt!

Auch in der weihnachtlichen Krippenszenerie gehen hochrangige Staatsmänner auf die Knie vor jemand anderem. Die Gelehrten aus dem Morgenland, oder „die heiligen drei Könige“, wie sie auch genannt werden, sind die ersten, die vor dem Baby in der Krippe auf die Knie gehen. Als sie in Bethlehem ankommen, knien sie wie selbstverständlich vor ihm nieder, beschenken ihn mit kostbaren, königlichen Gaben und beten ihn an (vgl. Matthäus 2,11).

Sie erkennen sofort: Diesem Kind gebührt alle Ehre, er ist der König, obwohl Stall und Krippe einen anderen Anschein vermitteln.

Bereits in den alttestamentlichen Schriften wird Jesus als „Friedenskönig“ angekündigt, der den Armen und Schwachen beisteht und die Hilflosen und Unterdrückten befreit (vgl. Jesaja 9,5). Ganz im Zeichen dieser Mission kommt er nicht in herrschaftlichem Pomp und Prunk, sondern in aller Armut und Demut.

Um Gemeinschaft mit den Menschen zu haben und ihnen Versöhnung mit sich anzubieten, macht Gott höchst selbst sich klein, so klein wie es nur geht, und wird als Menschenbaby in diese Welt geboren. Gott ist nicht weit weg, hoch oben in den Wolken. Die drei Weisen aus dem Morgenland müssen sich sogar bücken, um Jesus nahezukommen.

Wer Jesus erkennt, geht auf die Knie

In den Evangelien wird immer wieder beschrieben, wie Menschen vor Jesus auf die Knie fallen. Zum Beispiel, wenn sie seine Macht und ihre eigene Ohnmacht erkennen. So wie Petrus. Als er die ganze Nacht keinen einzigen Fisch gefangen hatte, wirft er das Netz am frühen Morgen auf Jesu Anweisung hin erneut aus – obwohl der erfahrene Fischer weiß, dass das völlig unsinnig ist. Aber dann geschieht das Wunder: Der Fang ist so gewaltig, dass das Boot zu sinken droht.

Als Petrus begreift, was da gerade geschehen ist, kann er nicht anders, als sich Jesus vor die Füße zu werfen: „Als Simon Petrus begriff, was da geschehen war, fiel er vor Jesus auf die Knie und sagte: ‚Herr, kümmere dich nicht weiter um mich – ich bin ein zu großer Sünder, um bei dir zu sein‘“ (Lukas 5,8).

Petrus erkennt in diesem Moment die Heiligkeit Jesu und gleichzeitig seine eigene Unwürdigkeit. Er staunt über Jesu Macht und Größe und kann nicht anders, als seine Knie zu beugen und sich klein zu machen. Seine Reaktion zeigt auch, wie die Begegnung mit Jesus dazu führt, dass Menschen ihre Schuld und Fehlerhaftigkeit erkennen.

Wenn der Mensch machtlos ist

Auch aus lauter Verzweiflung fallen unzählige Menschen vor Jesus auf die Knie. Sie suchen ihn in ihrer größten Not auf und hoffen auf seine Hilfe. Denn sie selbst haben alles getan, was in ihrer Macht steht, und wissen einfach nicht mehr weiter. Jesus ist ihre letzte Hoffnung.

In diesen Geschichten zeigt sich: Dort, wo Menschen ihre Schwachheit und Hilflosigkeit bekennen, wo ihre Macht am Ende ist, offenbart sich die göttliche Macht. Jesus heilt Menschen von Krankheiten, er befreit sie von bösen Geistern und weckt sie sogar von den Toten auf.

Und noch mehr: Immer dann, wenn Menschen demütig vor Jesus niederknien – vor Ehrfurcht und in Schwachheit –, beginnt das Reich des Friedenskönigs. In jedem Herzen ganz persönlich. Menschen erfahren Annahme, Vergebung, Liebe, neue Hoffnung.

Mit dem ganzen Körper beten

Auch ich kenne den Impuls, auf Knien zu beten. Nämlich dann, wenn mich mein Anliegen innerlich so stark bewegt, dass es mich quasi vom Hocker reißt. Dann bete mit meinem ganzen Körper, weil meine Worte allein nicht mehr ausreichen für das, was ich Gott sagen will.

Mit meinen Knien beuge ich auch mein Herz.

Sei es aus überwältigender Ehrfurcht, ähnlich wie bei Petrus, weil ich spüre, wie groß und mächtig Gott ist. Oder aus lauter Freude, Dankbarkeit und Erleichterung, weil ich erkenne, welche Wunder Gott in meinem Leben tut. Oder aus Verzweiflung, weil ich mit meinem Latein am Ende bin und keinen Ausweg mehr sehe, so wie die vielen Menschen, die Jesus in ihren dunkelsten Stunden suchten und anflehten.

Eine kraftvolle Gebetshaltung

Was die Verzweiflung betrifft, hat der US-amerikanische Lobpreismusiker Phil Wickham ein wunderbares Lied geschrieben. Der Text von „Battle belongs“ beschreibt das Beten auf den Knien auch als etwas Kämpferisches. In der deutschen Übertragung heißt es:

Und wenn ich kämpf, dann auf meinen Knien. Heb die Hände zu dir, mein Gott, der Sieg gehört dir allein!
Und jede Angst leg ich vor dich hin, durch die Nacht sing ich dir, mein Gott, der Sieg gehört dir allein!

Was für ein kraftvoller Text! Ich muss nicht hilflos oder gar ohnmächtig bleiben. Trotz meiner Verzweiflung kann ich meine Kämpfe auf den Knien im Gebet ausfechten im hoffungsvollen Vertrauen darauf, dass Jesus für mich einsteht, wenn ich selbst machtlos bin.

Der Boden unter meinen Knien ist kalt und hart. Es ist für mich eine eher ungewohnte Gebetshaltung, aber ich will es weiter einüben, vor Gott zu knien. Bist du schon einmal vor Gott auf die Knie gegangen?

Sarah-Melissa Loewen


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Quelle: Auf den Knien vor Jesus

von youthweb

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