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4 Phasen toxischer Beziehungen

erstellt am 28.03.2025 00:00:00

Problematische Beziehungen suchen wir uns selten bewusst aus, zumindest würde man das meinen. Dennoch leben mehr Menschen, als man oft glauben mag, in toxischen oder manipulativen Beziehungen. Wie kommt es dazu?

Manchmal passiert das quasi zufällig: Man wechselt die Arbeitsstelle und merkt erst nach und nach, dass das Arbeitsklima irgendwie komisch, ja, sozusagen vergiftet ist. Oder man wird in eine Familie hineingeboren und stellt erst mit der Zeit fest, dass sich die Verhaltensspielregeln im eigenen Elternhaus deutlich vom Umgang anderer Menschen miteinander unterscheiden.

In diesen Fällen gerät man ungewollt in eine Situation, wo manipulatives Verhalten an der Tagesordnung ist. Wie kann man sich aber erklären, dass toxisches Verhalten auch in Paarbeziehungen vorkommt, wo sich jede und jeder von uns ja bewusst seinen Partner oder seine Partnerin auswählt? Liegt dies nur an der rosaroten Brille der Verliebtheit?

Nein, denn toxische und manipulative Beziehungen laufen in vier Phasen ab. Hierbei zielen besonders die erste und zweite Phase darauf ab, die manipulierte Person an sich zu binden, die weiteren Phasen dienen dazu, eine Trennung schwer bis unmöglich zu machen. So kommt es zu langjährigen toxischen Paarbeziehungen oder Freundschaften.

Schauen wir uns diese vier Phasen, die Saraj Stutz in ihrem Buch „Damit sich der Nebel lichtet: Toxische Beziehungsmuster hinter frommen Fassaden erkennen und heil werden“ beschreibt, mal gemeinsam an.

Phase 1: Liebe über alles

Den Beginn einer toxischen Beziehung läutet oft eine Phase intensiver Zuneigung durch den Manipulator ein. Wenn man schon in normalen Liebesbeziehungen in der Verliebtheitsphase die rosarote Brille aufhat, dann ist sie hier von einem der grellsten Pinktöne, den man sich vorstellen kann.

Durch Taktiken wie etwa Love Bombing bekommt die andere Person das Gefühl, noch nie von einem anderen Menschen so geliebt und so verstanden worden zu sein.

Der Manipulator überschüttet die andere Person mit Komplimenten, macht ihr teure Geschenke oder liest ihr jeden Wunsch von den Augen ab.

Wenn es sich nicht um eine Liebesbeziehung handelt, kann es auch sein, dass der neue Chef einem vermittelt, wie toll es ist, dass man das Team bereichere und wie unersetzlich man durch seine Fähigkeiten sei. In jedem Fall vermittelt der Manipulator dem Manipulierten Botschaften wie „Du bist ganz großartig!“, „Du bist mein Seelenverwandter“, „Niemand versteht mich so wie du“.

Dies passiert oft zu einem Zeitpunkt, wo man sich auf der Beziehungsebene streng genommen noch gar nicht gut genug kennt und solche Aussagen faktisch übertrieben sind. Daher sollte jede und jeder hellhörig und vorsichtig werden, wenn nach kurzer Bekanntschaft, die Beziehung bereits als besonders tief deklariert oder man vom anderen über den grünen Klee gelobt wird. Dies ist ein klares Warnsignal für eine toxische Beziehung.

Phase 2: Sabotage und Isolation anderer Beziehung

Der zweite Schritt von Manipulatoren ist nach dem Etablieren der besonderen Beziehung, den Betroffenen von anderen Beziehungen zu entfremden. Dabei greifen sie auf Methoden der Sabotage und Isolation zurück. Wie kann das aussehen?

Stell dir vor, du hast einen normalen Streit mit einer Freundin und erzählst deinem neuen Partner davon. Normal wäre, dass dein Partner zwar deine Partei ergreift, dich aber ermutigt, Schritte der Versöhnung zu gehen, zumindest wenn deine Freundin sich nicht völlig daneben benommen hat. In einer toxischen Beziehung dagegen würde dein Partner den Streit nutzen, um dich weiter von deiner Freundin zu entfremden und ihre Beweggründe und eure Freundschaft grundsätzlich in Frage zu stellen.

Oder dein Partner überredet dich aus dem Wunsch heraus, die Beziehung zu stärken, immer wieder dazu, Treffen mit anderen Bekannten abzusagen. Diese Form des Klammerns kommt zwar auch in normalen Beziehungen vor; aber hier bieten viele nicht-toxische Partner den Kompromiss an, gemeinsam Zeit mit deinen Freunden zu verbringen. In einer toxischen Beziehung jedoch würde sich der Manipulator darauf nicht oder nur zum Schein einlassen.

Im Arbeitskontext kann ein Mittel der Isolation sein, Meetings im Kollegenkreis zu unterbinden, an denen der Manipulator nicht teilnimmt, oder das Arbeitspensum so hoch zu halten, dass ein Austausch miteinander über die Methoden der Führungskraft nicht möglich ist.

Diese und ähnliche Verhaltensmuster führen mindestens zu einer emotionalen Distanz zu bisherigen Bezugspersonen, wenn nicht sogar tatsächlich in die Isolation.

So bröckeln nach und nach positive und stärkende Beziehungen.

Phase 3: Plötzlicher Beziehungsabbruch

In Phase 3 geschieht etwas, das die manipulierte Person nicht erwartet hätte: plötzlich parkt der Manipulator sie „auf der Ersatzbank“. Nach den beiden ersten Phasen einer intensiven Bindung wird dem Betroffenen jetzt gezeigt: Ich bestimme die Regeln. Und das bedeutet, dass sich nur dann um ihn gekümmert wird, wenn es dem Manipulator passt.

In dieser Phase kann es zu sogenannten On-Off-Beziehungen kommen oder auch zu Ghosting, wo der Manipulierer den anderen ohne Vorwarnung völlig ignoriert.

Es kann aber auch sein, dass die Beziehung zwar offiziell weiterläuft, aber Merkmale einer gesunden Beziehung wie gemeinsame Unternehmungen, regelmäßiger Austausch oder Zärtlichkeiten wegfallen, beziehungsweise nur noch nach Lust und Laune des Manipulators stattfinden. Auch außereheliche Affären können ein Teil dieser Phase sein.

Insgesamt bekommt der Manipulierte jetzt einen Vorgeschmack darauf, was bei einem Beziehungsende passieren könnte.

„Der Schmerz des Verlassenwerdens“ wird bewusst geweckt und von Betroffenen durch die vorherige Isolation von anderen Bezugspersonen oft „als unaushaltbar empfunden, auch wenn das Ende der Beziehung im Endeffekt das Beste ist, was Betroffenen passieren kann“, schreibt Saraj Stutz dazu.

Manchmal endet eine toxische Beziehung in dieser Phase. Dies ist dann der Fall, wenn der Manipulator langfristig keine Verwendung mehr für den anderen hat. Oft kommt es aber zu Phase 4.

Phase 4: Hoovering – Einsaugen

Nachdem der Manipulator in Phase 3 sein Opfer scheinbar vom Haken gelassen hat, saugt er es jetzt wie ein Staubsauger wieder ein. Daher kommt auch der Begriff „Hoovering“. Kam es zu einem klaren Kontaktabbruch, nutzt der Manipulator noch vorhandene Überschneidungen der Lebenswege nun gezielt, um die Beziehung wieder aufleben zu lassen.

Oft kommt es in dieser Phase wieder zum Love Bombing aus Phase 1. Das ist auch der Grund, warum der andere sich jetzt wieder auf eine Beziehung einlässt, die ihm vorher vor allem Schmerz einbrachte. Toxische Freunde erinnern vielleicht an die guten alten Zeiten, in denen man so viel Spaß hatte. In toxischen Paarbeziehungen wird der oder die Betroffene vielleicht noch intensiver umworben als in Phase 1.

Nach der einsamen Zeit des Verlassenwerdens fühlt sich der Betroffene jetzt wieder geliebt und vergisst dabei schnell, wie schwierig die Beziehung war.

So kommt es auch dazu, dass Frauen immer wieder zu ihren körperlich oder psychisch gewalttätigen Männern zurückkehren.

Den Kreislauf verstehen und durchbrechen

Um den Kreislauf zu unterbrechen, kann es für Betroffene hilfreich sein, sich diese vier Phasen bewusst zu machen und Phase 3 zu nutzen, um die Beziehung für sich selbst zu reflektieren und gegebenenfalls einen Schlussstrich zu ziehen, wenn einem die Beziehung nicht guttut.

Wenn man es schafft, in dieser Phase neue tragfähige Beziehungen aufzubauen, kann man den Einsaug-Mechanismen des Manipulators in Phase 4 etwas entgegensetzen. Dies kann entweder bedeuten, neue gesündere Beziehungs-Spielregeln auszuhandeln oder den endgültigen Abbruch der Beziehung zu vollziehen.

Was im konkreten Fall das beste Vorgehen ist, hängt vom Einzelfall ab. Eine Beratung durch einen Seelsorger oder eine Therapeutin, aber auch die Einschätzung guter Freunde und der eigenen Familie können für Betroffene wertvolle Ressourcen sein, um eine gute Entscheidung für die eigene Zukunft zu treffen.

Auch eine feste geistliche Heimat in einer Gemeinde zu haben, kann eine wertvolle Unterstützung sein.

Das gemeinsame Gebet mit anderen für die belastende Situation, aber auch die Wertschätzung aus der Gruppe helfen Betroffenen – sowohl dabei, in Phase 2 nicht in Isolation zu geraten, als auch dabei, im Abnabelungsprozess vom Manipulator stärkende und ermutigende Gemeinschaft zu erleben.
 

Hat dich dieses Thema angesprochen? Dann lies auch unsere anderen Artikel zum Thema:

10 Anzeichen einer toxischen Beziehung

Kreislauf aus Druck und Angst

Wenn das Miteinander vergiftet ist

Wer manipuliert mich hier?

Bewegen dich konkrete Fragen zu toxischen Beziehungsstrukturen? Schreibe sie uns in den Kommentaren! Vielleicht können wir sie in einem der weiteren Artikel dieser Reihe aufgreifen.
 

Rebecca Schneebeli


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Quelle: 4 Phasen toxischer Beziehungen

von youthweb

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