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Die ersten drei Fastenwochen sind schon rum – und manch einer hält vielleicht jetzt in der Mitte der Fastenzeit schon Ausschau nach Ostern, wenn bestimmte Dinge dann wieder erlaubt sind. Die Fastenaktion der Evangelischen Kirche lädt in diesem Jahr dazu ein, auf etwas zu verzichten, von dem wir uns alle weniger wünschen: Panik.
Tanja Rinsland aus der ERF Plus Redaktion macht in diesem Jahr bei der Fastenaktion „Luft holen! 7 Wochen ohne Panik“ mit. Nach Atmen, Seufzen und Singen steht in der kommenden Woche „Frischer Wind“ im Mittelpunkt. Was es damit auf sich hat, verrät sie im Interview.
ERF: Tanja, wir sind in der vierten Fastenwoche. Wie ist es dir in der Fastenzeit bis jetzt ergangen?
Tanja Rinsland: Ich faste nicht zum ersten Mal – aber zum ersten Mal habe ich so ein Motto, das mich durch die Tage begleitet. Es geht ja um das Thema Angst, also darum, unbegründete Ängste in der Fastenzeit zu reflektieren und – wenn möglich – loszulassen. Man könnte also sagen, ich faste Sorgen! Und damit mache ich spannende Erfahrungen.
Letzte Woche ging es darum, bewusst zu singen und die Musik zu nutzen, um mich auf Jesus auszurichten statt auf meine Sorgen. An einem Tag habe ich zum Beispiel spontan ein Dankeslied angestimmt, als mir etwas gut gelungen ist. Ich habe gemerkt, wie gut das tut, Gott bewusst mal Danke zu sagen. Das war wie ein frischer Wind für die Seele.
Ein Haufen verängstigter Jünger hinter verschlossenen Türen
ERF: Und da sind wir schon beim Thema für diese Woche: „Frischer Wind“ ist diesmal angesagt. Das klingt nach Aufbruch und nicht nach Sorgen. Was steckt hinter diesem Thema und was hat das mit dem Panikfasten zu tun?
Tanja Rinsland: Den Zusammenhang entdecken wir im Bibeltext für diese Woche. Das dort beschriebene Ereignis hat sich kurz nach Ostern zugetragen, also nachdem Jesus gestorben und auferstanden ist.
Dort wird im Johannesevangelium Folgendes berichtet: Die Jünger treffen sich hinter verschlossenen Türen. Denn sie hatten große Angst vor den Menschen, die Jesus umgebracht hatten. Ihre Angst ist auf der einen Seite verständlich, schließlich haben sie gerade miterlebt, wie ihr Rabbi gefangen genommen, gefoltert und getötet wurde. Auf der anderen Seite haben sie eigentlich Grund zur Freude, denn eine Frau, die wie sie eine Jesusnachfolgerin ist, berichtet ihnen, dass sie dem auferstanden Jesus begegnet ist.
Also eigentlich wissen sie schon, dass sich alles zum Guten gewendet hat! Aber sie trauen dem Braten wohl nicht so ganz. Vielleicht war einfach zu viel Schlimmes in kurzer Zeit passiert.
ERF: Das ist nachvollziehbar: Wer gerade einen unvorhergesehenen Verlust erlebt hat, hat möglicherweise erst einmal Angst vor der nächsten Katastrophe. Doch für die Jünger kommt die große Überraschung. Was passiert dann?
Tanja Rinsland: Der auferstandene Jesus taucht auf! Mitten unter ihnen, in einem verschlossenen Raum. Und sein erster Satz lautet: „Friede sei mit euch!“ Und er hat noch mehr mit ihnen vor. Nachdem er ihnen Frieden zugesprochen hat, sendet er sie aus. Dann haucht er sie an übergibt ihnen so den Heiligen Geist (vgl. Johannes 20,19-22).
Ich finde das überraschend. Da sitzt dieser Haufen verängstigter Männer zusammen – und genau diese Männer sendet Jesus aus, um seine Arbeit auf der Erde fortzuführen. Damit das gelingt, übergibt er ihnen den Heiligen Geist.
Der Heilige Geist – so nah wie die Luft, die uns umgibt
ERF: Okay, das klingt jetzt abstrakt. Er haucht sie an und gibt ihnen so den Heiligen Geist. Was ist damit gemeint?
Tanja Rinsland: Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an den ersten Beitrag zu dieser Fastenaktion, da hatten wir das Thema schon mal: Wenn in der Bibel vom Atem Gottes die Rede ist, ist das ein Bild für den Geist Gottes. Anders ausgedrückt: So wie die Luft, die mich umgibt und die ich einatmen kann, so ist Gottes Gegenwart in meinem Leben.
Als Jesus die Jünger angehaucht hat, hat er damit an das Handeln Gottes bei der Schöpfung angeknüpft, als er den Menschen das Leben einhauchte. Die Jünger brauchten nun nicht mehr den menschlichen, anfassbaren Jesus, um Gott zu begegnen. Ab diesen Zeitpunkt war er ihnen so nah wie die Luft, die sie atmeten.
ERF: Ein starker Moment, den sie dort erlebt haben. Was ziehst du persönlich aus dieser Geschichte, was willst du in dieser Fastenwoche erleben?
Tanja Rinsland: Das Motto der Woche lautet ja „frischer Wind“ – und ich habe in den letzten Tagen den frischen Wind genossen, der mit dem Frühling einhergeht. Wenn ich morgens mit dem Rad zur Arbeit fahre, ist es zwar noch sehr frisch, aber ich spüre, wie die Luft sich jeden Tag verändert, und sehe, wie an den Ästen der noch kahlen Bäume die ersten Blattknospen sprießen.
Ich habe mir vorgenommen, diese Woche jedes Mal, wenn mir morgens der frische Wind um die Nase bläst, einmal bewusst zu sagen: „Genauso nah, wie die Luft, die ich gerade einatme, ist mir Jesus. Ich bin nicht allein mit meinen Ängsten und Sorgen – der Heilige Geist ist hier. Genau jetzt.“ Wenn das kein guter Grund ist, unbegründete Sorgen loszulassen!
ERF: Das ist wahr. Ich bleibe gespannt, was du erzählst! Danke für das Interview.
Christine Bangel
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Quelle: Frischer Wind um die Nase