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Aus schwer wird leicht

erstellt am 27.01.2025 00:00:00

45 Kilogramm, so schwer darf ich als Mann mittleren Alters gelegentlich tragen. Nach meinem Empfinden fühlen sich die Aufgaben und Mühen des Alltags oftmals viel schwerer an. Da würde ich locker nochmal 50 Kilo draufschlagen! Und diese Last trage ich nicht nur gelegentlich, sondern regelmäßig. Vielleicht geht es dir ganz ähnlich.

Natürlich gibt es Tipps und Tricks, wie ich lernen kann mit dieser Last umzugehen. Da wären Zeit- und Selbstmanagement inklusive Ruhephasen und Ernährungspläne. Aber ganz ehrlich: Dadurch wird meine Last nicht unbedingt weniger oder leichter.

Schwere Last und verbindende Einheit

In der Bibel wird diese Last, von der ich schreibe, als „Joch“ bezeichnet. Ein altmodisches Wort, das es aber ziemlich gut beschreibt. Das Joch war ein Holzbalken, der Tieren über den Nacken gelegt wurde, um einen Wagen oder Pflug zu ziehen. Mit diesem Bild verbinde ich Begriffe wie Gefangenschaft, Mühsal und Leid, also eher Negatives.

Ein Joch ist aber auch eine Einkerbung zwischen zwei Bergen. Im Bahnwesen beschreibt es die Einheit, die aus zwei Schienen und den dazugehörigen Schwellen gebildet wird und bei Transformatoren den verbindenden Teil des Eisenkernes. Bei diesen Dingen ermöglicht das Joch eine Verbindung zwischen zwei Teilen, stellt eine Einheit her. Hier ist das Joch also etwas Positives.

Auch Jesus spricht von einem Joch. Im Matthäusevangelium Kapitel 11,28-30 lese ich: „Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen. Und ich werde euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir. Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. Und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen.“

Unter dem Joch des Gesetzes

Um zu verstehen, was Jesus hier meint, hilft mir ein Blick weit zurück an den Anfang der Bibel, nämlich in die fünf Bücher Mose. Sie enthalten das jüdische Gesetz: Rechtsvorschriften, die das Zusammenleben des Volkes Israel und die Beziehung zwischen dem Volk und Gott regelten.

Wenn Jesus von einem belastenden Joch spricht, dann bezieht er sich auf die enge Auslegung des jüdischen Gesetzes. Zur Zeit Jesu gab es über 600 Rechtsvorschriften, die das Alltagsleben der Juden schwer und mühselig machten. Um es auch nur annähernd einzuhalten, arbeiteten sich die Menschen regelrecht daran ab.  

Eine Einladung an alle

Jesus möchte den Menschen die Möglichkeit geben, dieses belastende Joch abzulegen und sich bei ihm auszuruhen. Er ruft alle Mühseligen und Beladenen zu sich. Wer war das damals? Wer ist das heute? Ich denke, dass wohl jeder Mensch auf diese Fragen seine ganz persönliche Antwort hat. Gemeint sind Menschen, die erschöpft sind oder sich in bestimmten Bereichen ihres Lebens abmühen, ohne wirklich vorwärtszukommen.

Und was bietet Jesus uns stattdessen an? Wieder ein Joch! Was meint er damit? Will er uns andere Lasten aufbürden?

Das „Joch der Himmel“ meint: Nachfolge

Im Jüdischen gibt es den Ausdruck „Das Joch der Himmel auf sich nehmen“. Das bedeutet, dass ein Mensch sich freiwillig Gott unterstellt und ihn als Herr und König anerkennt. Wenn Jesus sagt: „Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir“, geht es ihm also um Nachfolge und Jüngerschaft. Jesus lädt alle, dich und mich, dazu ein, ihm nachzufolgen und von ihm zu lernen.

Dabei lese ich nur ein Kapitel vorher in Matthäus 10,24 folgenden Satz von Jesus, der im engen Zusammenhang mit dieser Einladung steht: „Ein Jünger ist nicht über dem Lehrer und ein Sklave nicht über seinem Herrn. Es ist dem Jünger genug, dass er werde wie sein Lehrer Und der Sklave wie sein Herr.“

Das heißt für meine Beziehung zu Jesus: Er ist mein Lehrer und ich bin sein Schüler, er ist mein Herr und ich bin sein Knecht. Dabei hat der Begriff hier nichts mit Unterdrückung zu tun. „Knecht Gottes“ ist ein Ehrentitel, der schon Mose mit Rückblick auf sein Leben zuteilwurde (vgl. 5. Mose 34,5).

Jesus ist kein strenger Lehrer. Im Gegenteil, er sagt von sich selbst: „Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig“.

Das Wort Sanftmut beschreibt meine Offenheit und meine Zuneigung Gott gegenüber. Ich finde gut, was er sagt und tut. Ein sanftmütiger Mensch macht sich Gottes Willen zu eigen. Der Begriff Demut meint eine Grundhaltung vor Gott. Ich gestehe vor Gott ein, dass ich unbedingt auf ihn angewiesen bin und auf sein Handeln in meinem Leben.

Der Weg in die Leichtigkeit

Indem Jesus sich mit den Worten Sanftmut und Demut beschreibt, verdeutlicht er damit die Einheit zwischen ihm und Gott. Diese Einheit bietet er mir auch an.

Jesu Joch ist leicht, weil er das schwerste Joch schon für mich getragen hat: Das Kreuz. Er hat mein Joch, die Trennung von Gott durch meine Schuld, zu seinem Joch gemacht. Jesus ist am Kreuz für meine Schuld gestorben.

Zugleich wird aber auch sein Joch zu meinem Joch. Jesus hat getan, was er seinen Vater tun sah. Ich darf tun, was ich Jesus tun sehe. Sein Joch für mich heißt Nachfolge. An die Stelle des Jochs „Kreuz“, tritt das Joch „Nachfolge“. Nur so wird aus Trennung von Gott, Einheit mit Gott und aus Gebundenheit wird Freiheit.

Tobias Schier


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Quelle: Aus schwer wird leicht

von youthweb

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