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Wo kommt der Baum her?

erstellt am 30.09.2024 00:00:00

Wenn ich auf dem Weg zur Arbeit bin, kommt es mir manchmal so vor, als ob ich den Weg wie im Schlaf zurücklege. Ich fahre die bekannten Straßen, die immer gleichen Kurven und komme an den üblichen Warnhinweisen vorbei. Alles auf dieser Strecke ist mir vertraut. Doch hin und wieder bin ich irritiert. Denn mir fällt plötzlich auf: Hier hat sich etwas verändert. Entweder ist es die Baustelle, auf der die Arbeiten gut vorangekommen sind, das Tempolimit wurde verringert oder wie vor einiger Zeit, wurden die Bäume am Straßenrand gerodet. Die Landschaft auf meiner Strecke erscheint mir auf einmal anders, als ich sie in Erinnerung habe.

Doch hin und wieder bin ich irritiert. Denn mir fällt plötzlich auf: Hier hat sich etwas verändert.

Ähnlich geht es mir manchmal in meiner routinemäßigen, fortlaufenden Bibellese. Ich lese die immer gleichen Geschichten, komme an den bekannten Personen vorbei und kenne schon das Ende von so manchem Kapitel.

Vor nicht allzu langer Zeit hat mich ein Podcast über die Gleichnisse von Jesus auf die Tatsache aufmerksam gemacht, dass ich die Landschaft der Geschichten und deren Ablauf beim Lesen verändert habe. Damit meine ich: Ich habe dem Text im übertragenen Sinne eine andere Landschaft verpasst und habe mir dadurch in meinem Kopf ein falsches Bild der Geschichte gemalt. Das ist mir ist erst im Nachgang und dem erneuten, aufmerksamen Lesen bewusst geworden.

Beim Gleichnis vom barmherzigen Samariter (nachzulesen in Lukas 10,25-37) wurde mir besonders vor Augen geführt, dass mir in meinem üblichen Lesetrott so manches Detail in der Landschaft der Geschichte bisher entgangen ist.

Ich werde nur einen Aspekt rausnehmen, der mich beim erneuten Lesen verwundert hat. So hast du die Möglichkeit, den Weg des Bibeltextes für dich selbst nochmal abzulaufen und zu entdecken, was du bei deinem letzten Gang durch diese Geschichte vielleicht noch gar nicht wahrgenommen hast.

Der Kneipenbesitzer

In meiner Leseroutine war die Geschichte für mich praktisch mit der Szene vorbei, als der Samariter die Wunden des überfallenen Reisenden versorgt und ihn auf seinem Reittier mitnimmt. Dass sie noch einen Abstecher in eine Herberge machen, war für mich eher ein kreatives, schönes Abschlussbild, welches zum guten Ende der Hauptstory beiträgt.

Doch warum endet das Gleichnis mit eben dieser Szene? Warum bringt der Samaritaner den Verwundeten zur Pflege in ein Wirtshaus? Was kann ein Kneipenbesitzer in dieser Situation schon leisten? Sein eigentliches Geschäft ist die Vermietung von Zimmern und der Verkauf von Alkohol.

Ich glaube, dass dieser Part nicht zufällig in der Geschichte auftaucht. Denn ich rechne fest damit, dass Jesus nur Dinge sagt, die auch absolut von Bedeutung sind. Daher vermute ich, dass dieser Kneipenbesitzer mit der neuen Rolle als Krankenpfleger zwar möglicherweise etwas überfordert ist, durch den Auftrag des Samaritaners im übertragenen Sinne jedoch auch das Vertrauen von Jesus zugesprochen bekommt, diese Aufgabe gut und gewissenhaft zu erfüllen. Wer bin ich, dass ich beurteilen kann, ob der Mann würdig ist, diese Aufgabe zu übernehmen? Jesus kann Menschen sehr gut beurteilen. Er überträgt Menschen Verantwortung, die von außen betrachtet für sie zu groß oder falsch zu sein scheint. Aber Jesus weiß, ob sie für eine solche Aufgabe bereit sind.

Dieser Baum ist mir neu

Die Rolle des Kneipenbesitzers im Gleichnis von Jesus war für mich neu. Auf meiner Reise durch den Text hatte ich ihn vorher nur wie einen Strauch, als eine Art Begleitgrün am Wegesrand wahrgenommen. Jetzt ist er aber gewachsen und steht für mich wie ein unübersehbarer Baum in der Landschaft der Erzählung, von dem ich glaube, dass Jesus ihm von vornherein eine solche Bedeutung zugemessen hat.

Wo ist der Baum, Strauch, Grashalm oder Blatt, welches du beim Lesen der altbekannten Bibelgeschichten noch nicht wahrgenommen hast? Hast du Lust es zu entdecken? Dann zieh los und habe wache Augen.

Bernd Kortmann


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Quelle: Wo kommt der Baum her?

von youthweb

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