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„Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt“, heißt es in einem Lied von den Comedian Harmonists. Und tatsächlich Freundschaft ist etwas, ohne das die meisten Menschen nicht leben können. Ein Freund ist jemand, bei dem wir unseren Liebeskummer abladen oder mit dem wir die Nächte durchfeiern.
Gleichzeitig ist nicht jeder „Freund“ wirklich mein Freund. Das haben viele von uns schon in der Schule erfahren. Denn dort galt oft: Wer am beliebtesten war oder die besten Spielzeuge hatte, hatte die meisten Freunde. Die coolen Kids scharten ihre zahlreichen „Freunde“ um sich, die sich alle um die Gunst des Anführers bemühten.
Diese Art von Freundschaft tut nicht gut und auch Jesus verwehrt sich dagegen, wenn er den Jüngern in Johannes 15,15 zusagt: „Ich nenne euch nicht mehr Diener; denn ein Diener weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr nenne ich euch Freunde, denn ich habe euch alles gesagt, was ich von meinem Vater gehört habe.“
Obwohl Jesus als Sohn Gottes über uns Menschen steht, verlangt er von seinen Jüngern keine duckmäuserische Haltung. Ganz im Gegenteil ‒ er macht sich selbst zum Diener, wenn er in Matthäus 20,28 sagt: „Auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für alle Menschen hinzugeben.“
Wie geht Freundschaft mit Jesus?
Doch was heißt es, Jesus als Freund zu haben? Es heißt zum Ersten, dass ich keinen Kuhhandel eingehen muss, um von ihm beachtet zu werden. Wie oft denke ich: „Wenn ich häufiger Stille Zeit machen würde, würde Gott meine Gebete eher erhören.“ Ich glaube, dass ich bei ihm mehr zähle, wenn ich mehr für ihn leiste. Seit ich „offiziell“ für Gott arbeite, ist dieses geistliche Leistungsdenken nur noch stärker geworden.
Aber Jesus will Freunde, keine Diener. Jesus möchte nicht, dass ich stur geistliche Pflichten abarbeite, sondern wissen, wie es mir geht und mit mir mein Leben teilen.
Nur wenn es darum geht, mein Leben mit Jesus zu teilen, lande ich wieder bei der Stillen Zeit und komme an meine Grenzen. Denn die Stille Zeit ist für mich oft so etwas wie regelmäßiges Workout oder das tägliche Zähneputzen – eine unleidige Pflicht, die ich nur erfülle, weil sie letztlich wichtig für mich ist.
Doch mal ehrlich: Wer will schon einen besten Freund, der nur mit mir Bibel lesen und über meinen Glauben sprechen will? Wenn Jesus ein menschlicher Freund wäre, hätte ich den Kontakt zu ihm vermutlich schon lange abgebrochen. Denn zu Freundschaft gehört eben auch, gemeinsam ins Kino zu gehen, ein Bierchen zu trinken oder rumzublödeln. Doch für eine Freundschaft mit dem Herrn des Universums erscheinen mir diese Aktivitäten eher unpassend.
Jesus liebt Gemeinschaft
Obwohl – vielleicht habe ich Jesus bisher auch immer falsch verstanden. Denn was macht er am letzten Abend mit seinen Jüngern? Sie feiern ein Festmahl zusammen. Und als erstes Wunder verwandelt Jesus Wasser in Wein.
An vielen Stellen berichtet die Bibel davon, wie Jesus ganz praktisch Gemeinschaft mit Menschen hatte. Wenn er ihnen was zu sagen hatte, tat er es oft beim gemeinsamen Essen und eben nicht in der Synagoge.
Vielleicht fragt sich auch Jesus schon lange, wieso ich meine Freundschaft zu ihm auf Gottesdienst, Lobpreis und Bibellesen beschränke und mit ihm nur über Probleme und geistliche Themen spreche. Gut, ein Bier mit ihm trinken wird schwierig, aber für die nächste Woche möchte ich Jesus bewusst in meinen Alltag einladen: auf meine Couch zum Filmabend, in meine Küche zum Kochen. Und mal sehen, vielleicht klappt es dann auch mit dem Bibellesen wieder besser.
Rebecca Schneebeli
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Quelle: Mit Jesus ein Bier trinken