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Aufgeregte Kinder und Eltern füllen den Saal einer Schule. Meine älteste Tochter Finja (damals 10 Jahre alt) hat einen besonderen Auftritt vor sich. Sie führt mit vielen anderen Kindern zusammen ein Gitarren-Musical auf. Finja hat mit großer Begeisterung die verschiedenen Stücke geübt und kann sogar die verhältnismäßig schwierigen Passagen aus dem passenden Notenheft spielen. Deshalb darf sie die erwachsenen Gitarrenschüler begleiten und auch ein Solo ist für sie geplant. Ich bin ganz stolz auf meine Tochter! Mein Mutterherz wird warm vor Liebe, als mein Kind mit den anderen Musikschülerinnen und -schülern die Bühne betritt.
Einfach vergessen
Bevor das Konzert beginnt, liest der Musiklehrer die Namen der teilnehmenden Kinder vor. Es ist eine lange Liste und ich warte, dass Finjas Name genannt wird. Er ist nicht dabei. Mein Kind wird nicht erwähnt. Sie wurde vergessen. Ich kann Verwunderung und Enttäuschung an Finjas Gesicht ablesen. Ich fühle mit ihr, als sei ich selbst betroffen. Das bin ich gewissermaßen auch, schließlich ist Finja ein Teil von mir. Sie ist meine Tochter!
Es versetzt mir einen kleinen Stich ins Herz. Am liebsten würde ich aufspringen und darauf hinweisen, dass ein Name vergessen wurde – der meiner Tochter! Ich erwäge tatsächlich, es zu tun. Doch es geht gleich weiter im Programm und ich will nicht stören. Stattdessen werfe ich meiner fantastischen Gitarrenspielerin einen aufmunternden Blick zu, den sie dankbar auffängt. „Mama hat mich nicht vergessen.“ Das soll Finja wissen. So kann sie sich ermutigt und angespornt auf ihren Part beim Konzert konzentrieren.
Der Zuhörer auf meinem Lebenskonzert
Nach der gelungenen Veranstaltung nehme ich Finja in den Arm und lobe sie ausführlich. Gemeinsam freuen wir uns über ihren Erfolg. Sie vergisst schnell, dass ihr Name zu Beginn nicht genannt wurde. Doch ich selbst denke noch länger darüber nach.
Mir fällt ein, dass Gottes Beziehung zu mir recht ähnlich ist, wie die einer liebenden Mutter zu ihrem Kind. Ich stelle mir vor, wie Gott irgendwo mitten in der Menge sitzt, während ich in meinem Lebenskonzert mal unsicher, mal selbstbewusst auf der Bühne stehe und meine Gaben einsetze.
Ich bin mir sicher, er würde nicht zögern für mich aufzustehen. Er wäre bereit zu rufen: „Seht mal alle her! Da ist mein großartiges Kind, das ich sehr liebhabe!“ So hat es Gott bei seinem Sohn Jesus getan, als dieser im Jordan getauft wurde: „Dies ist mein geliebter Sohn, über den ich mich von Herzen freue“ (Matthäus 3,17) rief er vom Himmel herab, so dass es alle gehört haben.
Auch wenn es auf der Bühne des Lebens mal nicht so gut läuft, steht Gott zu seinen Kindern. So hat er sogar die Bevölkerung Israels liebevoll ermutigt, als diese gerade in einer selbstverschuldeten Krise steckte: „Hab keine Angst, Israel, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du gehörst zu mir“ (Jesaja 43,1). Was Gott dem israelischen Volk zugesagt hat, gilt auch mir, die ich mich an seine Worte halte. Ich gehöre zu ihm und er ruft mich bei meinen Namen. Er übersieht mich nicht.
Worauf richte ich meinen Blick?
In vielen Situationen meines Lebens würde der Blick auf meinen liebenden Vater reichen, um mich zu ermutigen. Doch manchmal nehme ich seinen aufmunternden Blick nicht wahr. Dann sehe ich nur all die anderen Menschen im Publikum, denen gar nicht auffällt, wenn mein Name unerwähnt bleibt. Ich sehe nur diejenigen, die mich und meine Leistung im Scheinwerferlicht kritisch beäugen. Oder ich konzentriere mich viel zu sehr auf die schwierigen Passagen und Stücke, die ich auf der Bühne abliefern muss.
Wenn ich mich mal wieder unbedeutend oder unzureichend fühle, will ich an meinen himmlischen Vater denken, der mir still und heimlich zuzwinkert und flüstert: „Du bist mein Kind, das ich auf die Welt gerufen habe. Darum kann ich dich niemals vergessen. Ich stehe zu dir!“
Sonja Kilian
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