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ERF: Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing besucht Kanzler Scholz, eine Ökumenekirche in Mannheim wird eröffnet, die Gedenkstätte Yad Vashem ehrt ein Lübecker Pastorenehepaar und der größte Ostergarten Deutschlands öffnet. Das und mehr bewegt uns heute im Blick zurück auf die Woche. Mein Name ist Oliver Jeske und Katja Völkl hat die Informationen zusammengestellt. Eine davon erreicht uns aus Israel: Die Terrorwelle dort reißt nicht ab.
Katja Völkl: Ja, leider. Gestern stach ein palästinensischer Terrorist in einem Linienbus mit einem Schraubenzieher auf einen Fahrgast ein. Das Opfer liegt in kritischem Zustand in einem Krankenhaus in Jerusalem. Der Angreifer konnte von einem Zivilisten schnell überwältigt werden. Das Ganze geschah in der Nähe des jüdischen Siedlungsblocks Etzion in Judäa. Außerdem wurden bei einem Schusswechsel mit israelischen Soldaten in der Stadt Jenin im Norden Samarias mindestens zwei bewaffnete Männer getötet.
ERF: Und es sieht so aus, als ob die Lage weiter eskaliert.
Katja Völkl: Jedenfalls hat Israels Ministerpräsident Naftali Bennett die Öffentlichkeit dazu aufgerufen, sich zu bewaffnen, um den Kampf gegen diese neue Terrorwelle zu unterstützen. Und auch die Terrorgruppen, gegen die dieser neue Krieg gegen den Terror gerichtet ist, sind in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. So hat Ziyad al-Nakhaleh, der Führer des Islamischen Dschihad, den bewaffneten Flügel seiner Organisation nach den Zusammenstößen in Dschenin in höchste Alarmbereitschaft versetzt.
Yad Vashem ehrt Lübecker Pastorenehepaar Jannasch
ERF: Wir haben noch eine weitere Nachricht aus Israel, die jedoch durchaus positiv ist.
Katja Völkl: Genau, denn die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem ehrt das Ehepaar Wilhelm und Elisabeth Jannasch als „Gerechte unter den Völkern“. Gemeinsam hätten der Pastor und seine Ehefrau Juden und Christen jüdischer Herkunft während des Nationalsozialismus das Leben gerettet, teilte die evangelische Nordkirche gestern mit. Die beiden hätten dabei die Grenzen zu illegalem Handeln übertreten und sich einem hohen Risiko ausgesetzt.
Noch zum Hintergrund: Wilhelm Jannasch, geboren 1888, gestorben 1966, war 20 Jahre Hauptpastor der Lübecker Innenstadtkirche St. Aegidien. Er setzte sich schon vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten gegen Antisemitismus ein. 1939 übernahm er das Pfarramt der Notgemeinde der Bekennenden Kirche in Berlin-Friedenau. Dort erhielten viele NS-Verfolgte Unterkunft, Arbeit, Lebensmittel und weiterführende Kontakte. Seine Frau Elisabeth unterstützte die Aktivitäten ihres Mannes.
DBK-Vorsitzender Georg Bätzing besucht Kanzler Scholz
ERF: Schauen wir mal nach Deutschland, was sich im kirchlichen Bereich tut. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing hat gestern Bundeskanzler Olaf Scholz besucht.
Katja Völkl: Das war ein Antrittsbesuch, bei dem es vor allem um den Krieg in der Ukraine und die Lage der Kriegsflüchtlinge ging. Bätzing hob den Angaben zufolge das Engagement seiner Kirche für die Flüchtlinge, insbesondere durch die Caritas und das Hilfswerk Renovabis, hervor. Außerdem informierte er Bundeskanzler Scholz über den aktuellen Stand der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in kirchlichen Einrichtungen. Das katholische Reformprojekt des Synodalen Weges und die Situation für Kirche und Gesellschaft in der Corona-Pandemie war ebenfalls Thema des Gesprächs. Vorher hatte sich Bätzing noch mit Innenministerin Nancy Faeser getroffen. Auch dabei ging es um den Krieg in der Ukraine und seine Folgen. Faeser sagte anschließend, dass Kirchengemeinden und karitative Einrichtungen bei der Aufnahme von Flüchtlingen Herausragendes leisteten. Sie sei allen Gemeinden, Organisationen und Helferinnen und Helfern sehr dankbar für diese große Menschlichkeit und Solidarität.
Ökumenekirche in Mannheim wird eröffnet
ERF: Auch in Sachen Ökumene tut sich etwas Neues: Am Sonntag wird in Mannheim eine Ökumenekirche mit einem Gottesdienst eröffnet.
Katja Völkl: Das Besondere und wohl deutschlandweit Einmalige sei dabei, dass ein Kirchenraum gemeinsam von der evangelischen Thomasgemeinde und der katholischen St. Pius Gemeinde für Gottesdienste genutzt werde. So sagte es der evangelische Dekan Ralph Hartmann gestern in Mannheim. Bislang seien Gottesdienste selbst in Simultankirchen nebeneinander gefeiert worden. Den gemeinsamen Kirchenumbau bezeichnete Hartmann als „Zeit des Umbruchs für die Kirchen und Modell für die Zukunft“. Aus einer reinen Veranstaltungsökumene sei eine Ökumene der Institutionen geworden. Es gehe darum, sich auf die gemeinsamen Wurzeln zu besinnen. Das sei auch eine Frage der Glaubwürdigkeit der Kirchen in der Gesellschaft.
ERF: Und der ökumenische Gedanke ist ja baulich umgesetzt worden.
Ja, es gab eine mehrjährige Umbauphase: Der neue Altar ist aus den gemahlenen Steinen der beiden früheren Altäre entstanden und in die Mitte des Raumes gerückt. Neben der katholischen Orgel soll auch die kleinere evangelische Orgel im Kirchenraum eingebaut werden und im Glockenstuhl ergänzen zwei evangelische und zwei neu gegossene ökumenische Glocken die bisherige einzelne katholische Glocke. Jetzt am Sonntag wird die St. Piuskirche in Neuostheim durch Dekan Ralph Hartmann und seinen katholischen Kollegen, Dekan Karl Jung, feierlich eröffnet.
Größter Ostergarten Deutschlands öffnet
ERF: Dann gibt es noch eine weitere Eröffnung.
Katja Völkl: Und zwar in Stuttgart. Dort wird der größte Ostergarten Deutschlands eröffnet. Vom 02. bis 18. April kann man das Flair eines orientalischen Marktes mit Olivenbäumen und Eseln genießen. In der ehemaligen Gärtnerei von Projektleiter Andreas Munder wird die christliche Ostergeschichte auf 4.000 Quadratmetern lebendig.
ERF: Was genau erwartet die Besucherinnen und Besucher denn dort?
Bei einem Rundgang durch historische Kulissen kommen die Besucher mitten ins Treiben der Jerusalemer Altstadt. Sie können die Jünger beim Abendmahl beobachten und unter einem Dutzend Olivenbäumen im Garten Gethsemane das innerliche Ringen Jesu vor seinem Tod nacherleben.
Es gibt Blitze und Lichteffekte am Kreuz, einen Tunnel der Emotionen und ein aufwändig gestaltetes Gipsgrab. Das soll Leiden und Tod Jesu nachempfinden lassen. Der Weg durch den Ostergarten endet mit einem Tanz im Hip-Hop-Stil, der die Freude über die Auferstehung Jesu und das neue Leben mit ihm verdeutlichen soll. Ziel sei es, die Osterbotschaft möglichst niederschwellig zu vermitteln und durch die enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Christinnen und Christen ein Zeichen der Einheit zu setzen. Das sagte Pfarrer Andreas Schäffer, Vorsitzender des Vereins und der Evangelischen Allianz Stuttgart.
ERF: Das wird sicherlich einen Besuch wert sein. Und das war’s für heute mit dem Wochenrückblick der ERF Aktuell-Redaktion heute. Wir verabschieden Sie ins Wochenende, wir das sind Katja Völkl und Oliver Jeske.
Katja Völkl
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Quelle: Größter Ostergarten öffnet