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Das Schönste an einem Versteckspiel ist das Gefundenwerden. Als Kind spielte ich häufig mit meinem Bruder, Cousins und Freunden Verstecken auf dem Gehöft meiner Oma. Es gab viele gute Verstecke: Verschlag hinterm Hasenstall, auf der Hühnerleiter, neben dem Heuhaufen. Einmal versteckte ich mich im Rübenkeller. Es war eine Mutprobe, die steile Leiter in das dunkle muffige Loch zu steigen. Würde mich der Sucher finden, hätte ich keine Möglichkeit, mich abzuschlagen.
Ich spitze die Ohren und hoffte, dass der Sucher aufgab. Nö, tat er nicht. Irgendwann spielten sie einfach etwas anderes – ohne mich. Ich krabbelte aus dem Keller und motze, dass sie gegen die Spielregel verstoßen haben, denn es geht um das Entdeckt- und Gesehenwerden.
Um Gottes Willen
Gott versteckt sich nicht in einem muffigen Keller, er zeigte sich in einem brennenden Dornenbusch, in mächtigen Wolkensäulen und versprach: „Ich bin für dich da!“ (2. Mose 3,14).
Es ist der Atem Gottes, der uns belebt (Hiob 33,4). Was für ein wunderbares Zeichen, dass wir uns bei jedem Atemzug einer göttlichen Nähe bewusst werden dürfen. Der Drang zu atmen, ist so stark, dass man nicht mit reiner Willenskraft den Atem stoppen könnte. Atemholen kann zu einer heiligen Handlung werden. Die alten Wüstenväter und Wüstenmütter lehrten das und übten sich in dieser Gebetsform.
Glauben kann man nicht machen
Mit reiner Willenskraft die Luft länger anzuhalten, ist nicht möglich, mit reiner Willenskraft zu glauben ebenso. Um glauben zu können, braucht es das Entdecktwerden und die Faszination. Wir können von einem Sonnenaufgang tief bewegt werden und ahnen, dass es eine Schöpferkraft gibt. Das Gefühl der Verliebtheit bezeugt, dass es mehr gibt, als wir sehen und begreifen. Begegnungen mit Kunst schaffen heilige Momente. Das rechte Wort zur rechten Zeit eines Menschen lassen uns spüren, dass wir nicht allein sind.
So wie der erste Atemzug uns geschenkt wurde, wurde uns eine Faszination für den Himmel, Gott und Ewigkeit geschenkt. Erst mit dieser Faszination werden wir zu Suchenden.
Mit allen Sinnen
Gott ruft und lockt uns mit allen Sinnen. Es wäre traurig, wenn wir unsere Gefühlswelt vom Glaubensleben trennen würden, weil Gefühle wankelmütig seien. Mitgefühl, Barmherzigkeit, Zufriedenheit sind tiefe Regungen in uns. Wir spüren sie in der Brust oder im Bauch. Wir werden von diesen Gefühlen angeschubst und gelenkt, um uns zu kümmern, ob Spenden zu sammeln für Flüchtlinge und Kinder in Not, Fürsorge zu tragen für sozialbenachteiligte Menschen oder sich einzusetzen für die Bewahrung der Schöpfung.
Für unsere jüdischen Glaubensgeschwister ist das Tun wichtiger, als das Bekenntnis und ganz in der Tradition Jesu: „Was ihr an meinen Geringsten getan habt, habt ihr mir getan“ (Matthäus 25,14).
Suchen und finden
Wer gesehen und gefunden wurde, wurde zugleich befähigt, selbst ein Handelnder zu sein. Was löste das kindliche Versteckspiel für ein Jubel und Hurra aus. Endlich rannte man aus seinem Versteck, löste sich am Treffpunkt ab und war frei. Selbst wenn mich der Sucher abgeklatscht hatte und ich zählen musste, war ich aktiv. Es hat einen großen Reiz, ein Suchender zu sein – im Kinderspiel wie im wahren Leben.
Susanne Ospelkaus
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Quelle: Gefunden!